Mittwoch, 8. Januar 2020

VOYAGER IV - Pictures at an Exhibition

Marcus Schinkel ist der Kopf und Treiber der neugegründeten Band VOYAGER IV. Bekannt wurde er durch seine Crossover-Projekte, vor allem das "Crossover-Beethoven"-Projekt, von dem bisher 4 CDs vorliegen. Nun also Mussorgskys Bilderzyklus aus Anlass des Geburttstages von Keith Emerson am 2.November.
Die Frage liegt nahe, ob es denn nicht schon genug Versionen dieses Klassikers gibt, vor allem im weiteren Rockbereich, in dem ELP's Fassung die berühmteste ist. Aus deutschen Landen sind die bekanntesten von MEKONG DELTA und die der STERN COMBO MEISSEN. Nun also VOYAGER IV.
Um der Sinnfrage der wiederholten Versionen des Bilderzyklus eine Annäherung zur Antwort zu geben sei hier ein Spruch von Thomas Morus zitiert, der sich auf der Homepage von Marcus Schinkel findet:" Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers!" Vor diesem Hintergrund gehört - und auch ohne diesen - entwickelt Schinkel eine Crossover-Version, die neue Perspektiven auf den Klassiker eröffnen kann. Ob sie dieses tut - hörmer mal:
Schon der Beginn mit der Promenade verstört zunächst den "Bilder"- afizinato mit Spacegeräuschen (Was hat Mussorgski mit dem Weltraum zu tun?). Aus  Pianoperlen löst sich kurz das Thema - von einer Oboe (Synthie?) intoniert - um dann vom Klavier jazzig bis zum Finale geführt zu werden, das als Verbeugung vor K.Emerson mit vollem Hammondsound zelebriert wird.
Dann folgt die nächste Überraschung. Die Band ändert die Reihenfolge der "Bilder". Sie hängt sie um. Anstelle des "Gnomus" folgt "Samuel Goldberg (der Reiche) und Schmuyle (der Arme)". Zum Hauptmotiv Mussorgskis schrieb Sänger Johannes Kuchta einen Text und strickte mit Keyboarder und Mastermind Marcus Schinkel eine Ballade draus. Sie lässt sich zunächst gut hören. Aber spätestens beim 2. Durchgang und der 2. Wiederholung des Refrains beginnt die Stimme Kuchtas einen unangenehmen Touch zu kriegen. Ab dem 3. Hördurchgang nervt dieser Refrain. Eine etwas andere Melodieführung des Refrains würde es dem Höer einfacher machen. dabei zu bleiben. Wie sagt der Küchencheffilosof aller Rezensenten so zielsicher? " Das Rezensieren ist kein Ponyhof!"...
Diesem stark abgewandelten "Bild" folgt nun der "Gnomus", der in ELP's Bearbeitung die kongeniale Umsetzung der Ideen Mussorgskis durch das Rocktrio erfahren durfte. Was machen Voyager IV? Sie folgen zunächst mit Power der Spur Emersons bis das Klavier eine seltsam nach latino klingende Passage einfügt. Darauf folgt eine Improvisation des E-Piano mit südamerikanischem(!) Perkussionstreiber. Ist das  Mamba oder Sambo? Ich bin mir net so sicher. Sicher ist, dass das Tanzbein zuckt. Allerdings stellt sich die Frage, was Mussorgski und seiner Idee dieser Komposition mit latinischer Musik zu tun hat. Kunst ist frei - nun gut. Darüber zu schreiben/ reden eben auch.
Übergangslos schließt sich  "Das Alte Schloss" an. Hier nimmt Kuchta wieder das Hauptmotiv bzw. die markante Melodie und legt einen Text drüber (oder drunter - wer weiß?) Was der Text und die Stimme nicht schafft, das schafft dieses hier unselige Gezirpe, nämlich Kopfschütteln auszulösen. Das wird zunächst beendet - das Gezirpe -  und so bekommt der Titel den ihm gemäßen erhabenen Platz im Gesamtwerk (wenn nur zum Ende dieses Gezirpe fehlte - das braucht nun wirklich niemand).
Die "Promenade" wird nun genommen um daraus einen Jazzsong zu performen (wie hasse ich dieses Wort, aber hier passt's). Es ist nicht abzustreiten, dass mit diesem Song etwas Leichtigkeit einkehrt, die auf die "Tuilerien" überleitet, die sehr
razz-jockig (!) präsentiert werden. Hier zeigt sich die Spielfreude und das Können überhaupt von Marcus Schinkel. Er beherrscht sein Instrumentarium und braucht keine Vergleiche mit heutigen und gestrigen Tastendrückern zu scheuen. Ein starkes Stück!
Der "Ochsenkarren"(Bydlo) wird wieder zu einem Popsong. Wobei die Stimmverfremdung in der Erzählpassage eher abtörend wirkt. Schade, Hier wurde eine Chance vertan, zeitgemäßen Prog zu entwickeln - bitte ohne Gesang!
Man hätte fast das Schlimmste befürchten können nach dem "Karren". Aber die Band zelebriert den "Lucky Man" großartig. Selten hat man diesen Titel in solcher ausdrucksvollen Progversion gehört, die auch die Bezeichnung "Prog" verdient Vor allem der 2.Teil setzt die Tragik um, die im Text steckt. Im Arrangement und der Ausführung ein Treffer. Dazu darf man den Protagonisten gratulieren. 
Die "Catacomben" (von Paris?) und die Stimmen der Toten dort inspirieren Schinkel zu einer Jazzbalade im ersten Teil mit Klavier als Hauptinstrument und dem Synthie iim Zwischenteil, Schlussteil - sorry! - Geklimper mit Synthiegeflirre, Sinnfrage!
Jetzt aber legen die Jungs los. Das ist bei dieser Vorlage aber auch keine große Kunst. Denn hiermit hat der gute Mussorgsk(i)(y)(ji) den Steilpass für Rockbands schlechthin geliefert. Die Band musste nur noch vollenden, was sie auch mit Druck und Begeisterung tut. Hat der Modest da nicht im 19.Jahrhundert den Prog schon vorgeahnt? ich frag' ja nur.
Wer nun das große Bombastfinale wie bei fast allen Adaptionen erwartet hat, wird zunächst mit einem weiteren Popsong überrascht, der sich zwar auch zum Ende hin steigert, aber auch schon nach 4:45 Minuten beendet ist.
Der Rezensent, der mit dem Original im Musikunterricht Ende der '60er ausgiebigst musikalisch vorgeprägt wurde, bleibt leicht irritiert zurück ob des gehörten Adaptionsversuches. Ist dieser nun gelungen oder nicht? Die Antwort ist: halb und halb.
 Das Album hat seine starken Momente - siehe Text - , ist stark gespielt (Schinkel!) und klanglich ohne negative Auffälligkeiten (muss man heute wieder sagen - leider!). Meine Empfehlung lautet daher: kann man sich anhören, muss man aber nicht.

https://voyageriv.bandcamp.com/

Die Band:

Marcus Schinkel:      Grand Piano, Synthsizer, Clavinet, Ebow
Johannes Kuchta:     Voc, Perc, Tupian, Sopransax
Wim de Vries:            Drums, Perc,
Fritz Roppel:              Bass

Titel:
1.Promenade5.42
2.Samuel Goldenberg & Schmuyle (My Point Of View)5.07
3.Gnomus4.16
4.Il Vecchio Castello (Photophobia)6.13
5.Promenade II (From The Land Of The Feathers)6.01
6.Tuileries4.37
7.Bydlo (The Bullock Cart)4.48
8.Lucky Man5.35
9.Catacombae/Cum Mortuis In Lingua Mortua6.29
10.Baba Yaga5.56
11.The Great Gates Of Kiev (Daedalus Calling)4.45
12.Talk To The Wind5.25

Dienstag, 22. Oktober 2019

TOOL - FEAR INOCULUM

Sie - die Band TOOL - scheinen es den Experten - Anerkannten wie Selbsternannten sei mal dahingestellt - nicht einfach zu machen.
Oder wie soll man sich das zögerliche Erscheinen der ersten Rezensionen zu diesem Werk sonst erklären? Schreibt man eine Jubelarie, dann tut man das, was die da draußen erwarten.
Die riesig großen Erwartungen bis nach 13(!) Jahren und alljährlichen Fakedaten ob der nun doch endlich bevorstehenden Veröffentlichung ließen die Fans fast in dumpfe Depression versinken oder in Hysterie ausbrechen. Aber nun ist es da - endlich! Jetzt ist wieder alles gut, die Welt im Einklang - glaubt man.
Nun, der Rezensent, der dem Oevre dieser Truppe eh' etwas distanziert gegenübersteht, ist dennoch gespannt darauf, was ihn erwartet.
Alors, nach 2  Hördurchläufen - 1x im PKW, einmal über die nicht so schlechte PC-Anlage -  erfasst mich folgender Gedanke: KRAFTWERK ! KRAFTWERK? Ja, genau "Kraftwerk" nach dem berühmten RotenHütchen-Album. Tauscht man den Kraftwerkern ihre Computers gegen ein traditionelles Rockinstrumentarium aus und setzen wir voraus sie beherrschen dieses genau so gut wie ihre Elektronics. Was passiert? Genau das:
Auf "Fear Inucolum" machen Menschen Maschinenmusik(Musik?). Sie sind darauf programmiert, komplexe Rhythmen und vertrackte Taktierung(en) zusammen zu bringen. Klänge aus Synthies zur Auflockerung sind nicht verboten. Selbst die Schlaginstrumentierung scheint elektronisch erzeugt zu sein. Alles klingt perfekt - sehr perfekt- steril - kalt. Sogar die menschliche Stimme. Ja, gesungen wird analog. Dies ist zweifellos deutlich zu hören Es handelt sich um eine menschlich/männliche Stimme, immerhin.
Und dies alles zusammen wird sehr gepflegt und mit viel Professionalität produziert. Da sitzt jeder Ton und jeder Schlag, wo er hingehört. Klanglich/soundtechnisch sehr austariert -  und spannungslos.

Wo ist das Adrenalin, das z.B. bei HAKEN im Überfluss vorhanden zu sein scheint? Hallo TOOL, ihr seid 'ne ROCKband!! Die 3-4 Minuten Abgehteile sind verdammt wenig auf fast 90 Minuten Laufzeit.

"Das ist ein Grower" schallt es an mein Ohr. Also 7,10,15 mal hören sei angezeigt bei diesem Album. Warum/wieso soll ich mich einer Hirnwäsche aussetzen um Gefallen zu finden?
Die (W)wa(h)re Kunst braucht ihre Zeit um zu wirken. Erst recht, wenn man für ein Album mit fast 90Min. Klängen um die 70€ ausgegeben hat. Das muss sich doch lohnen...

Ich will nicht verkennen, dass ein eigenwilliger Sog von dieser Ton-Rhythmus-Installation ausgeht. Dieser Sog wird über Repititvität oder schlicht Wiederholung(en) erreicht, ein uraltes Instrument um beim Hörer eine bestimmte Wirkung zu erreichen. Originell ist das im Prog - nicht nur dort -  jedoch schon lange nicht mehr.

Mein Fazit ist kurz: blankpoliert glänzende, eiskalte, superklingende Langeweile.

Nein, ein TOOL-Versteher bin ich - noch - nicht. Ich höre im Moment aber auch nichts, was mich mit dieser Band verbinden könnte.Vlt. nochmal hören?

Die Band:

Danny Careydrums, synthesizer
Justin Chancellorbass guitar
Adam Jonesguitar
Maynard James Keenanvocals

Titel:

1.
Fear Inoculum10:20
2.Pneuma11:53
3.Litanie contre la peur2:14
4.Invincible12:44
5.Legion Inoculant3:09
6.Descending13:37
7.Culling Voices10:05
8.Chocolate Chip Trip4:48
9.7empest15:43
10.Mockingbeat2:05

Montag, 7. Oktober 2019

MUNGION - FERRIS WHEEL'S DAY

Ja, zugegeben, das ist  - zunächst -  kein Prog der reinen Lehre; ja, das ist eher Pop/Poprock der ganz feinen Art. Wobei: Sie - die Band -  selbst rechnet sich der Jamszene zu. Also mal wieder eine Spielwiese für den Klassifizierungsfetischisten unter uns. Das musikalische Material wurzelt in den '70ern, STEELY DAN kommt einem in den Sinn. Aber auch Stevie Wonder lugt in den funkigen Momenten um die Ecke. Wenn man's dem Hörer annäherungsweise beschreiben könnte, dann etwa so: Donald Fagen(Steely Dan) macht mit Stevie Wonder 'ne (Jam-)Session und lassen ein Band (Rekorder) mitlaufen
Es beginnt mit dem sonnigen "One night Stan" mit funky Bläsern und typischen Fagenharmonien und Arrangements. Der Bass slapt, die Bläser grooven, die Melodie geht sofort ins Ohr, es "wurmt" sich in's Gehör. Die Soli flocken in den Äther, alles leicht und locker. Ein netter Auftakt. Man spürt, da spielt eine Truppe auf, die Spaß hat und diesen transportieren.
Der 2.Titel wartet mit einem Hillbillystück auf, das sich gewaschen hat. Das klingt frisch und unverstaubt. Die Fiddle fiddelt, das Banjo twangt, das Honkytonkpiano kleppert und das Drumset wirbelt, dass es nicht still sitzen lässt. Immer noch kein Prog!!! Pop pur!
"Ferris Wheel's Day" beginnt nach Songwriterart und nach dem Intro hört der Proggie dann aufmerksam hin. Da einige Akkordschläge unterschiedlicher Höhe, die Orgel wird dominant, der Rhythmus geht in einen Ska über, es entwickelt sich zunächst ein Song mit Strophe und Refrain, der aber sowas von ins Ohr geht, dass man ihn so schnell nicht vergisst. Proggig wird's dann ab ca. Minute 4, da nach dem Refrain gruppig improvisiert wird unter Leitung des Piano, bis die Gitarre den Rhythmus jazzig umformt, der Einstieg in einen spielfreudigen Progteil, indem es auch kurz disharmonisch wird bis die Gitarre hymnisch wieder zum Refrain zurückführt. den die Keys übernehmen. Ein Gitarrensolo variiert den Refrain, die Stimmen führen den Song zu seinem Ende. Hier zeigen die Amerikaner, was sie draufhaben: das ist mehr als "nur" Pop.
Karibisch wird's dann im 4.Titel "Quemaste tu cabello", der mit einem gefühligen Pianomittelteil glänzen kann. Dem schließt sich ein Santanagitarrensolo an.
Mit "Basketball" kommt man wieder auf Fagen/Wonder zurück. Jazzig-swingend, von Bläsern unterstützt wird gekonnt die nicht einfache Melodie intoniert. Ein Pianosolo lockert auf, abgelöst durch ein Gitarrensolo im Stil eines Wes Montgomery (wer kennt den noch?). Es swingt und groovt.
Den nächsten Titel - ein Bonsaihörspiel -  überspringe ich, da ohne musikalische Relevanz.
"Herbert" stellt gleich zu Anfang einen veritablen Progtitel dar. Die Band nutzt Poppartikel hierzu und setzt sie mittels kurzen Breaks mit CARAVAN-Bezügen zu einem typischen Song zusammen. Auch Hardrock- oder Metalriffs  werden harmonisch mitkomponiert. Es entsteht ein Fluß von Themen, Rhythmen und Melodien dem zu folgen riesigen Spaß macht. Und dies ohne Düsternis, ohne Gitarrengeschretter, Grunz- und Noiseorgien. Das tut sooo gut!
"Windows" ist ein abwechslungsreicher Popsong, der in jedem Chart, der auf Qualität Wert legt, die Spitze stürmen sollte. Ein guter Refrain, abgelöst von gepflegten Soli (Keys/Piano und Gitarre), sorgt für eine musikalisch sorglose Atmosfäre. Auch Schlüsse können sie!
"Charterbox" führt auf eine ähnliche Spur: gepflegte Strophen- und Refrainmelodien werden durch kurze, knackige Improvisationen und Tempowechsel unterbrochen ohne den Fluss des Stückes zu stören. Der Bezug zu STEELY DAN ist nicht weit hergeholt. Aus deutschen Landen fallen mir auch LAKE ein zu deren Glanzzeiten.
Das Finale des Albums bildet SLOOB SYNDROME, das Funksouliges atmet, wieder von Bläsern verstärkt. Kurze vokale Breaks und Bläserlicks leiten ein Synthiesolo ein, das von einem bodenständigen Orgelinterludium abgelöst wird. Dann wird's jazzig unter Beteiligung von Gitarre und Bass. Ein ruhiges E-Piano führt zum ebensolchen Gitarrensolo, während dessen die Band Fahrt aufnimmt und zu einem jazzfunkigen Finale. Stark! Den Witz am Schluss - muss man den verstehen?  Wer will...
Eine überraschende Entdeckung ist MUNGION an der Schnittstelle Pop-Prog, wo sich nicht viele Bands tummeln. Auch weil sich nur wenige Hörer trauen, dort hinzuhören. Schade eigentlich, denn hier ließe sich ein neues Feld erschließen. MUNGION machen es nicht einfach, stricken mit viel Spielfreude an der Brücke zwischen den Genres (wobei sie den Begriff "Prog" nicht selbst benutzen). Es sei auch auf die bei bandcamp erschienen 2 Livemitschnitte verwiesen, die nachdrücklich diesen Brückenbau untermauern(!).

 https://mungion.bandcamp.com/album/ferris-wheels-day-off

Die Band:

Justin Reckamp - Guitar, Vocals 
Joe Re - Keys, Vocals 
Sean Caralon - Bass, Vocals 
Matt Kellen, Drums, Vocals 

Die Titel:

1. One Night Stan                        4:29
2. Makanda                                  4:59
3. Ferris Wheel’s Day Off            11:00
4. Quemaste Tu Cabello              6:27
5. Basketball                                4:36
6. Parn Kournt vs. Card Farm      2:02
7. Herbert                                    11:49 
8. Windows                                   5:48
9. Chatterbox                                5:48
10. Sloob Syndrome                    10:16

Montag, 10. Juni 2019

BIG BIG TRAIN - GRAND TOUR

Was soll man sagen ... ääh...schreiben? Wo BBT drauf steht, da ist BBT drinnen. Oder anders: man bekommt das, was man erwartet, Überraschungen sind ausgeschlossen.. Es wird schön gesungen, meist solistisch, öfter auch unterstützt durch schön arrangierten Mehrstimmgesang. Die Instrumente werden auch schön gedrückt, gestrichen oder angeschlagen. Alles klingt schön.
Die Songs sind mal kürzer, mal länger, wobei die langen Tracks sich durch ein ruhig dahinfließenden Klangstrom charakterisieren. Nur wenige Tempowechsel und keine überraschende Breaks, alles läuft,fließt, mäandert vor sich hin.
 Gediegenheit - das ist der Begriff, der das Gesamtbild bestens bezeichnet. Das Album regt nirgends besonders an geschweige denn auf. Es ist alles schön gespielt und wohlig austariert.
Wer BBT noch nicht kennt, ist damit evtl. gut bedient. Der Fan kauft es sich sowieso und der, der sie nicht mag, wird hiermit auch nicht zu überzeugen sein.
Um sich selbst ein Bild zu machen bietet sich auf bandcamp die Gelegenheit.

 https://bigbigtrain.bandcamp.com/album/grand-tour

Die Band:

Greg Spawtonguitars, keyboards, bass
David Longdonlead vocals, flute, banjo, mandolin, organ, glockenspiel
Dave Gregoryguitar
Danny Mannerskeyboards, double bass
Rachel Hallviolin, backing vocals
Nick D’Virgiliodrums, backing vocals
Rikard Sjöblomkeyboards, guitar, backing vocals

Titel:

1.Novum Organum2:33
2.Alive4:31
3.The Florentine8:14
4.Roman Stone13:33
5.Pantheon6:08
6.Theodora In Green And Gold5:38
7.Ariel14:28
8.Voyager14:03
9.Homesong5:12
PS: irgendwo liegt hier noch die HAKEN rum, ach schau -  MOTORPSYCHO - der Tag ist gerettet.

Dienstag, 8. Januar 2019

MOZARTBAND - SOUL

Wenn jemand nicht (mehr) bzw. noch immer nicht weiß, was "Retro-" eigentlich heißen oder aussagen soll. so wird ihm/ihr hiermit geholfen (werden können,wenn er/sie will). Denn Meister Mozart wird mit allen Mitteln des Retro- in unsere rockige Zeit transferiert ohne ihn zu verfälschen. In kleiner Runde fragten wir uns, was er wohl zu diesen Bearbeitungen seiner Werke sagen würde. Ich tippe darauf, dass er garnichts bzw. nur wenig sagen, sondern mitten drinnen wäre im Geschehen.
Nachdem er die "Original Alpinkatzen" - eine Band der Neuen Volksmusik - verlassen hatte, gründete Wolfgang Staribacher (Drahdiwaberl, Acid, Falco) die Mozartband (1995). Sein Lieblingsinstrument ist das Akkordeon, das er auch auf diesem Album sehr effektvoll und geschmacksicher einsetzt. Daneben gehört auch die Hammond B3 , Fender Rhodes und Wurlitzer E-Piano zu seinem Instrumentarium. Er arrangierte und ergänzte die Vorlagen des W.A.Mozart nach Bedarf und ging dabei sehr behutsam vor. Als Vorlage(n) diente(n) ihm Mozarts KV208 "IL re Pastore", eine 2-aktige Serenade.
Den Einstieg ins Album bildet jedoch mit KV 74 die 10.Symphonie, die Mozart im Alter von 14 Jahren schrieb. Die Mozartband nimmt die musikalische Energie, die in der Melodieführung, Rhythmik und Harmonik steckt und wandelt diese in einen veritablen Rocksong um, indem sich klassisches und Rockinstumentarium genialisch verbinden, ablösen, umspielen - also zusammen musizieren. Das Streicherpizzikato wird vom E-Bass gestützt, die Streicher vom Fagott und der Hammond B3 vorwärts getrieben  Das Akkordeon bringt etwas folkloristisches Flair und mischt kräftig mit bis ein kurzes,knackiges Hammondsolo die Band(e) wieder aufs Gleis bringt.Das klingt losgelöst von unserer Zeit und deshalb hochmodern. Apropos Hammond: dieser Klang dieser Hammond macht süchtig, deshalb aufpassen!
Die Arie "Di tante sue procelle" aus der Oper "Le Nozze di figaro" führt dann die Frauenstimme ein, die für die folgende Serenade gebraucht wird. Hier spielen die akustischen Instrumente die Hauptnebenrolle(n).
Die Reihenfolge des Meisters Original wird in aller künstlerischer Freiheit ignoriert. So bildet die Originalouvertüre den Schlusstitel des Albums.
Der 3.Titel "se vuoi ballare" eröffnet also den Reigen der Originalkomposition und wird zu einem ganz starken Plädoyer für die Fusion Rock-Klassik. Wenn so gesungen wird, wie es Christian Wolf tut, dann gibt es wenige Argumente, die gesangsbezogen dagegen sprechen. Er trifft den Ton mit Präzision und rockigem Habitus. Auch in diesem Track wieder diese Hammond...
"barbaro" ist der nächste Titel überschrieben. Den Barbier besingen nun Frau - Barbara Karolyi -  und Mann - wieder Ch.Wolf - in einem klassischen Duett mit krachendem Schlagzeug.
"aer tranquillo" wird wieder von einem Duett charakterisiert. Dieses Mal allerdings teilen sich die Singstimme(n) die Sopranistin B.karolyi und der (?) Alt Lynne Kieran. Diese Melodie will danach kaum noch aus dem Kopf. Was bei Mozart nicht wirklich verwundert, aber auch für diese außergewöhnliche Adaption spricht.
"chi mai" wird zum Rocker mit flirrendem Gitarrensolo und Fagottbegleitung. Auch die geliebte Hammond ist wieder da. Und die Wolf'sche Stimme.Grandios.
"perché"(warum?) beginnt mit groovigem Schlagzeug, darüber liegt die Altstimme, das Fagott, die Streicher machen mit der Hammond Tempo, dann wird's soulig und endet mit einer Gospelhymne der besseren Art.
Folkig. eingeleitet mit dem Akkordeon und Bläsern, begleitet von Streichern und E-Bass darf die Altstimme ihr Können entfalten im Track "se vincendo".
Im gefühlvollen "l'amero" ist zunächst wieder das Duett Karolyi/Wolf zu hören. Mit flirrenden Akkordeonklängen geht es gleitend in die abschließende(!)  Overtüre über, in der dem Akkordeon nochmals die Ehre erwiesen wird. So gespielt und begleitet macht es auch dem Proggie Spaß zuzuhören.
Über allem strahlt das Melodiegenie W.A.Mozart.
Die Mozartband zeigt mit diesem Album, wie eine Fusion Rock-Klassik klingen sollte um nicht ins  Kitschig-schmalzige abzuschmieren. Kernig,rockig,mit viel Spielfreude kommt so einer der größten Musiker ever auch dem Rockhörer zu Ohren. Es stellt sich die Frage, warum er - Mazart - nicht öfter Lieferant für Bearbeitungen im Rock-Progsektor wurde. Bach, Sibelius,Mussorgski - um nur wenige zu nennen - wurden des Öfteren bearbeitet. Nur um Mozart machte man größere Bögen. Vielleicht kommt seine Zeit auch im Rock noch. Jedenfalls ist es schade, dass es dieses Projekt so nicht mehr gibt. Wolfgang Staribacher spielt aktuell bei ACID (seit 2014).

Die Band:
Wolfgang Staribacher                  accordeon, Hammond B3, Fender Rhodes, Wurlitzer E-piano
Barbara Karolyi                           sopran
Christian Wolf                              tenor
Anton Burger                                violin, mandolin
Andrew Jezek                                viola
Vladimir Kacar                             bassoon
Robert Pistracher                          bass
Yago Pausch                                  dr (1), perc
Markus Perschon                           dr (3,4,6)
Paul Schneider                               dr (5,7)

Gastmusiker:
Lynne Kieran                                   alt
Andie Gabauer                                 voc(7)
Maria Frodl                                      cello (2,8)
Melissa Coleman                             cello (10)
Heinz Jäger                                      upright bass (6)
Robert Riegler                                 e-bass (10)
Heinz Jiras Hohner                         clavinet (7)
Siegfried Haglmo                            diaton.acc.(99
Otmar Klein                                     diaton.acc. (9)
Krzystof Dobrek                              acc(9)
Hans Tschritsch                                tuned glasses & ventilators (9)

Titel:
1)Financal times
2) Di tante sue procelle
3) Se vuoi ballare
4) barbaro
5)Aer tranquillo
6)Chi mai
7) Perché
8)se vincendo
9)L'amero
10)Ouverture from "Il re pastore"

 https://www.youtube.com/watch?v=qLcY2QxbpVI
https://www.youtube.com/watch?v=TIrZS6vXSgI
https://www.youtube.com/watch?v=7PovNyuqSWg
https://www.youtube.com/watch?v=CiA_jV_K1ho



Sonntag, 22. Juli 2018

WOBBLER - FROM SILENCE TO SOMEWHERE

Retroprog - Retro und Prog(ressiv) - geht das überhaupt? Das ist  der reine Anachronismus, könnte man meinen. Von der Begrifflichkeit her bzw. Sinnfälligkeit kann dies nicht funktionieren - retro und progressiv.
Was ist am 4. Album der Norweger denn progressiv? Ist es die Tatsache, dass sie sich in ihrer Art des Musizierens stark an Bands orientieren - nicht plagiieren und schon garnicht kopieren - die in den Hochzeiten des ProgArtRocks das Maß aller Dinge dieses Genres waren? So z.B. Yes, Gentle Giant,Genesis(?), auch mal ELP?
Im Titeltrack "From silence to Somewhere" lassen sie die o.g. Protagonisten des '70er-Progs ganz gepflegt auftreten und stellen sie mit einer Frische und Spielfreude dar, vor der man nur den Hut ziehen kann. So stelle ich mir Retro vor!. Kein billiges Plagiieren, aber Zitate satt  mit Eigenständigkeit sind ein klares Bekenntnis dafür, wo die eigenen Wurzeln liegen. Dies ist ein Vorzeigestück wie ein Proglongsong aussehen sollte, der die Altvorderen auf deren Augenhöhe würdigt. Ganz stark!
"Fermented Hour" lehnt sich an YES' Relayer-Phase an, "Sound Chaser" ist als Intro nicht zu verkennen. Plötzlich erscheint Mr. Emerson mit einer ihm typischer Hookline an der Orgel, die sich im weiteren Verlauf zu einem "Close to the edge"-Zitat steigert, das abgelöst wird durch einen Verweis auf FOCUS' HokusPokus-Gitarrensolo.
" Foxlight" beginnt mit folkiger Grundausrichtung, was Instrumentarium (Flöte + Akustikgitarre) und Arrangements (Gentle Giant z.B.) betrifft. Im Mittelteil gibt es schwere Mellotronics, abgelöst durch ein Spinett/Cembalo, was nochmals die Konzentration des Hörers schärft. Den Abschluss bildet ein mitelalterlich-folkiger Tanz (GRYPHON!), der den Titel fröhlich ausklingen lässt.
Manch eine britische Band der Neuzeit braucht etliche Kompositionen bzw. ganze Alben und einige Musiker mehr  im Bemühen das gleiche Ziel an Intensität zu erreichen, um es letztlich zu verfehlen.
Fazit: WOBBLER ist mit SILENCE TO SOMEWHERE" ein Album des Jahres gelungen, das etliche Jahre immer wieder den Weg in den Player/ auf den Plattenteller finden wird.
Nochmals möchte ich zurück zum Anfang dieser Zeilen, zur Frage: Retro und Prog - geht das zusammen? In der derzeitigen Rezensensionsgeschichte gibt es die Übereinkunft, dass "Retroprog" ein Teilgenre des Prog ist, das beschreiben soll, dass sich die Ausführenden auf die dunnemals fortschrittlichen Akteure beziehen. So weit so nachvollziehbar. Nur wird mit der laufenden Zeit die Etikettierung nicht einfacher, wenn in 10-15 Jahren sich Bands auf WOBBLER und ä. beziehen...

 https://wobbler.bandcamp.com/album/from-silence-to-somewhere

Die Band:

Andreas Wettergreen Strømman PrestmoGesang, Gitarre, Glockenspiel, Percussion
Geir Marius Bergom HallelandGitarre, Gesang
Lars Fredrik FrøislieKeyboards, Gesang
Kristian Karl HultgrenBass, Klarinette
Martin Nordrum KneppenSchlagzeug, Percussion, Blockflöte


Titel:

1.From Silence to Somewhere20:59
2.Rendered in Shades of Green2:05
3.Fermented Hours10:10
4.Foxlight13:19