Sonntag, 31. August 2014

UTOPIANISTI:II

Ja,was ist DAS denn? BrassProg? Gibt es das nicht schon?

 Es dämmert dem Altvorderen, dem Post68er. Da gab's seinerzeit eine Band, die nannte sich "Mothers of Invention" und deren Boss hieß Frank Zappa. Das ist die eine Quelle, aus der der Finne Markus Pajakkala seine Inspiration zieht. Dazu gesellt sich als weiteren Impuls aus fernen Zeiten ein gewisser Alexis Korner, der mit seinem Projekt CCS Ähnliches versuchte, nur bodenständiger,bluesiger. Man höre nur das vorliegende "Spanking time": CCS-typischer geht's fast nicht. Selbst die Stimme des Herrn Korner ist sowas von geil  nachempfunden....

 Das sind die Urquellen, aus denen der Finne schöpft.

Dazu mixt er gekonntes Opernmetalgeknödel mit Gejazze, schräges Tangogeschiebe auf der imaginierten Opernbühne und Orgelvolldröhnung, dass es eine wahre Freude ist. Der Beelzebub im tiefen Selbst des ach so zeitgeistigen Gutmenschen hat endlich mal wieder was zu feiern!

Zum Ablauf und Inhalt des Gebotenen hat Kollege Nik schon das Wesentliche trefflichst herausgearbeitet (http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=14425). Diesem ist nicht viel hinzuzufügen, außer dass es ab dem Titel 9 "The sundays..." bis zum Titel Nr.12 "Derelicts...". - dem Teil, der ursprünglich als EP veröffentlicht wurde/werden sollte(?) - mir doch zu puritanisch jazzig wird. Da klappen die Ohren irgendwann zu bzw. der Finger zuckt in Richtung NEXT-Taste auf der Fernbedienung. Aber das ist rein subjektiv empfunden. Der Jazzaffine wird diese Passage mit Wonnen genießen - denk' ich mal.

Richtig fetzig-schräg wird's zum Ende mit dem als Bonustrack bezeichneten "U.L.J.C.", das auch wieder passagenweise leicht an CCS erinnert. Aufgepeppt mit Tiergeräuschen an überraschenden Stellen, kurzen "Wort"beiträgen, in denen verschiedenen Instrumenten(gruppen?) ehemalige Kriegsparteien zugeordnet werden, sorgen für skurile Momente ohne dem musikalischen Feuerwerk, das hier nochmals abgebrannt wird, irgendwie zu schaden.

Von Nr 1 - Nr. 8 ist das Gebotene feinstschräger BrassProgJazzRock mit Bestoftheyear-Potenzial. Mit dem Jazzpart (9-12) hat der Rezensent sein Problem, aber die 13 reißt's Ruder nochmal herum in Richtung Mehrvon.

Das Album kann hier: http://utopianisti.bandcamp.com/album/utopianisti-ii-utopianisti-meets-black-motor-jon-ballantyne gehört und geordert werden.

 Die Band:
Markus Pajakkaladrums, percussion, soprano- tenor & baritone saxophones, flute & alto flute, bass clarinet, mellotron, various ethnic instruments, programming (only in 2, 6 & 13!!), additional keyboards & vibraphone

Gastmusiker

Jaan Wessmanelectric bass (1, 3, 5, 6, 8)
Ville Rauhalaupright bass (4, 7, 9-12 + 13)
Mika Tyyskäguitar (1)
Antero Mentuguitar (3, 5, 6, 8 right channel, 13), sitar (13)
Anssi Salminenguitar (7, 8 left channel, 13)
Juha Savelaguitar (4)
Kalle Elkomaaorgan (1, 3, 5), electric piano (3)
Tuomas Marttilamarimba (4), vibraphone (3, 6), congas (3)
Harri Kuusijärviaccordion (4, 7)
Tero Hyväluomafiddle (7)
Waltteri Torikkavocals (2, 4)
Suvi Väyrynenvocals (2)
Pharaoh Pirttikangasvocals (8)
Tommi Kolunentrumpet (1, 3, 6, 8)
Olli "Trumpenator" Helintrumpet (1, 3, 6, 8)
Jussi Toivonentrumpet (1, 3, 6, 8)
Antti Hirvonentrombone (1, 3, 6, 8)
Petri Juutilainentrombone (1, 3, 6, 8)
Ulla Ahonentrombone (1, 3, 6, 8)
Aulis Pöyhönenbass trombone (1, 3, 6, 8)
Kasper Haikonenalto sax (1, 3, 6, 8)
Masa Orpanaalto sax (1, 3, 6, 8)
Petri Nieminentenor sax (1, 3, 6, 8)
Maiju Virtanentenor sax (1, 3, 6, 8)
Jon Ballantyneelectric & grand piano (tracks 9-12 + 13)
Sami Sippolatenor saxophone (tracks 9-12 + 13)
Simo Laihonendrums (tracks 9-12 + 13)

Titel:
1.Mekonium fist   (Utopianisti II)3:51
2.The Vultures were hungry   (Utopianisti II)2:56
3.Pohjola   (Utopianisti II)8:09
4.Tango Succubus pt. 2   (Utopianisti II)5:10
5.The Forest of the Bald Witch   (Utopianisti II)6:47
6.Bisphenol A   (Utopianisti II)4:11
7.Kynttilöitäkin vain yksi   (Utopianisti II)6:16
8.Spanking time   (Utopianisti II)6:01
9.The Sundays of love and peace   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)5:14
10.Mechanoid makeout music   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)4:53
11.Too many eyeholes   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)4:07
12.Derelicts in space   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)11:35
13.U.L.J.C. (The Unnecessary Leftover Jam Compilation)   (Utopianisti II/Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)9:38

DAAU (DIE ANARCHISTISCHE ABENDUNTERHALTUNG):TUB GURNARD GOODNESS

DAAU ist die Abkürzung für eine Band, die sich vollständig DIE ANARCHISTISCHE ABENDUNTERHALTUNG nennt. Die Inspiration für diesen ungewöhnlichen Bandnamen holten sich die Gründer bei Hermann Hesses "Steppenwolf":

"Im Licht der nächsten Laterne versuchte ich seine Standarte zu lesen, sein rotes Plakat an der Stange, aber es schwankte hin und her, ich konnte nichts entziffern. Da rief ich ihn an und bat ihn, mir das Plakat zu zeigen. Er blieb stehen und hielt seine Stange etwas gerader, da konnte ich tanzende, taumelnde Buchstaben lesen:
Anarchistische Abendunterhaltung!
Magisches Theater!Eintritt nicht für jed..."
"Hermann Hesse: Der Steppenwolf. In: Hermann Hesse: Die großen Romane und Erzählungen. Frankfurt 1985. S.44"

 Wenn man nun aus dem Bandnamen auf eine deutsche Band tippt, dann liegt man falsch. DAAU sind Belgier aus Antwerpen und wurden 1992 gegründet. Sie ist auch keine typische Rockband mit E-Gitarre(n), Bass,Schlagzeug evtl.Keyboard(s) etc.. Sie spielt Instrumente, die nicht typischer Weise eine Rockband auszeichnen. Ihr Hauptinstrumentarium besteht aus Akkordeon, Violoncello, Violine und Klarinette. Und entsprechend klingt auch ihre Tonwelt. Der Sammelbegriff Fusion trifft am ehesten das, was sie zu Gehör bringt.. Sie verschmelzen Salonmusik mit Klassik,Folk und Klezmer. Auch Reggae kommt vor. Unterstützt werden sie bei Bedarf durch eine Sängerin, Schlagzeug/Percussion und E-Baß.

Bemerkenswert ist, dass es keine Dominante in ihrem Instrumentarium gibt. Die Führung in den Motiven und Melodien wechselt immer wieder. Mal sorgen die beiden Streicher für das rhythmische Fundament und Akkordeon/Klarinette lassen sich in den Melodien und Improvisationen gehen -  und umgekehrt. Lautmalerisches wechselt mit Lied, 2 Reggaes werden von einer Gastsängerin sehr einnehmend vorgetragen. Hier in "A funny little feeling" - und später in " In my midnight skies" -  stimmt auch die Struktur ganz mit den Konventionen überein im Gegensatz zu 10 von den 12 Stücken des Albums. Was aber nicht heißt, dass der Rest im Chaos versingt. Im Gegenteil sind die 10 Titel wohl strukturiert und gut zu hören. Es ist dieses Spiel mit den Wechseln in der Stimmführung, was den Hörer einnimmt.Auch die gelegentliche Attacke setzt immer wieder Spannungsmomente.

Ein Covertitel ist auch dabei. Man hat sich für "2+2=5" von RADIOHEAD  entschieden und in "Of  r*d*h*d" umbenannt. Da ich das Original nicht kenne, kann ich zur Art der Interpretation wenig aussagen. Außer, dass ich diese Interpretation für interessanter halte als alles, was ich von RADIOHEAD bis dato gehört habe (OK.Computer/ Kid A - wonach diese Band als Superlangweiler aus meinem Interessenfeld gestrichen wurde).

DAAU gelingt es mit dieser CD, das Gehör des Rockkonsumenten für andere Klänge zu interessieren und leisten damit einen Beitrag zur Horizonterweiterung. Mit jedem Hördurchgang kann man neue Details entdecken, wenn es den manchesmal etwas aufdringlichen Klezmersound der Klarinette zu umschiffen gelingt.

http://www.daau.com/

Die Band:

Simon Lenski                              Violoncello
Buni Lenski                                 Violin
Han Stubbe                                 Klarinette
Raul van Camp                           Akkordeon

Gäste:
Angelique Willkie                        voc
Roel Poriau                                 dr
Mirko Banovic                            b

Titel

1. My Goodness! Poetry (7:19)
2. Off the Record (5:30)
3. Is This It? (2:26) 
4. Raw Like Milk (5:13) 
5. The Guts (4:50) 
6. Of R*D*H*D (2+2=5) (3:34)
7. A Funny Little Feeling (3:54)
8. Catfish Blues (1:54) 
9. A Shortcut to the Edge (3:18)
10. Even More Lost Souls (2:57) 
11. In My Midnight Skies (6:16) 
12. Two Fast Dreams (5:10)

Sonntag, 3. August 2014

THREE MONKS: THE LEGEND OF THE HOLY CIRCLE

Da sind sie wieder, die 3(4) Mönche aus Italien:: "Julius" Paolo Lazzeri, der Derwisch an den Keyboards, "Bozorius" Maurizio Bozzi am Bass und die 2 Schlagwerker "Ursinius" und "Placdus". Wobei in den Stücken jeder als Einzelkünstler ran darf.

Was hat sich getan seit dem Debut NEOGOTHIC PROGRESSIVE TOCCATAS"?
Der Synthie tritt stärker in den Vordergrund. Die Sounds lehnen sich stärker an die Vorlage ELP an. Gleich im Opener "THE HOLY CIRCLE" wird dies sehr deutlich.
Auch die Motivik erinnert stark an K.Emersons Kompositionsweise(n).Die imaginisierte Kathedrale aus dem Debut kann man nur mehr erahnen.

Mit einem trägen Walkingbass eröffnet "INTO MYSTERY". Auch hier übernimmt mächtiger Synthieeinsatz in gewohnter Manier. Die Orgel improvisiert neoklassisch abwechselnd mit dem Synthie. DasWalkingmotiv des Bass trägt das Stück bis zum Ende - mystisch, aber nicht zu arg.

"THE BATTLE OF MARDUK" schließt direkt an den Erstling an und hätte auf "NEOGOTHIC...." eine gute Figur gemacht. Farbtupfer bringen die glockigen Töne ins Geschehen, schön begleitet von Bass und von Ferne klingender Orgel. Danach wird das Tempo und die Energie erhöht bei einem jazzigen Impromptu, das sich zu einem Progstück für Orgeltrio auswächst mit pompösem Finale.

Dann kommt mein Lieblingsstück auf diesem Album. Ich will es das "Lied ohne Worte" nennen in Anlehnung an Mendelssohns Klavierwerk. Hier für Orgel solo komponiert erinnert es an die Motive mancher PROCOL HARUM- Komposition."THE REST OF THE SACRED SWARM" ist für mich das Highlight des Albums und leider nach 4:47 schon zu Ende! Ein starkes, weil auch schlichtes Stück.

Der Walkingbass des 2. Stückes erlebt in höherem Tempo seine Rückkehr beim Intro von "RIEGER". Die Orgel übernimmt mit Drums mächtig das Verfahren, der Synthie mischt sich in den Vordergrund. Viel mehr als in den Titeln 1-3 passiert nicht. Der Midtempodrive bleibt erhalten, der Synthie steht mit der Orgel side-by-side. Mit diesem Titel wird wohl die Rieger Orgelbau in Österreich gemeint sein, die seit 1845 Orgeln für die ganze Welt baut.

Mit dem Beginn von "THE STRIFE OF SOULS"  übernimmt K.Emerson die Regie in der Inkarnation Lazzeris. Typischer geht's wohl nicht, was die Anleihen betreffen. Auch der ruhige Teil erinnert an ELPs Umsetzung von "The great gates of Kiev". Das ganze Stück ist eine  gelungene Verneigung vor den Progurgesteinen.

Den Abschluss bildet "TOCCATA NEOGOTICA N.5", bei der man die Rückkehr in die Kathedrale des Debutalbums feiern kann. Hier entsteht nochmals dessen Erhabenheit, auch weil der Synthie außen vor bleibt und nur gegen Ende das begleitende Geglöckel ein wenig mehr Licht in die kathedralische Schattenwürfe bringt.

Das 2. Album der Mönche versucht, einen etwas anderen Akzent zu setzen durch die stärkere Verwendung des Synthesizers. Diese Stücke wirken verspielter und folglich weniger stringend als die "reinen" Orgelstücke des Debuts. Nun wäre es spannend zu hören, wie sie denn das 3. Werk angehen wollen. Aber wie es scheint, gibt es in diesem Projekt zur Zeit wenig Leben.

Die Band

 Paolo Lazzeri                              pipe organ, composition
 Maurizio Bozzi                             bass, sound engineer
  Roberto Bichi                             drums(3,6,7)
  Claudio Cuseri                          dr (1,2,5)


Titelliste:

1. The Holy Circle - 7:48
2. Int Mystery - 5:58
3. The Battle of Marduk - 4:48
4. The Rest of the Sacred Swarm - 9:53
5. Rieger - 5:09
6. The Strife of Souls - 10:01
7. Toccata Neogotica n5 - 9:43

http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=14051

Dienstag, 29. Juli 2014

THREE MONKS: NEOGOTHIC PROGRESSIVE TOCCATAS

Welch ein Name für eine Progband! Und welch ein Titel für ein Debut! Da sprießen die Erwartungen des neugierigen Musikkonsumenten in Höhen, in denen man Monumente wie ELP, The Nice, Triumvirat u.ä. ansiedelt. THREE gibt den Hinweis auf 3 Instrumente, die da sind: Drums (2 Drummer incl.), Bass und Orgel. Wobei die Orgel keine Kirchenorgel(n) meint, sondern die Aufnahme komplett im Studio mit entsprechendem Keyboardequipment eingespielt wurde.
Das Ergebnis ist erstaunlich, denn von den ersten Tönen ab wähnt der Hörer sich mitten in einer ihm gefälligen Kathedrale. Vor ihm - im Altarraum vlt. -  ein Drummer hinter seinem Werkzeug, rechts von ihm der Bassist, mit den tiefen Registern der Orgel ein Fundament schaffend, auf dem der Organist sich wohl geerdet austoben kann.
Die MONKS stehen für Julius (= Paolo Lazzeri) der Organist  und Kompositeur, Bozorius (=Maurizio Bozzi) der Bassist und Soundingenieur, Placidus (= Roberto Bichi) der Drummer der Titel 2,4,5,6 und Ursinus (= Claudio Cuseri), der das Schlagwerk in den Titeln 1 und 7 bedient.

PROGRESSIVE MAGDEBURG ist der 2009 in Magdeburgs Kathedrale neu eingeweihten Orgel gewidmet und zeigt auf bombastisch-spätromantische Weise, was an Tonwelten dieses auch als Königin der Instrumente bezeichnete Klangmonument erschaffen kann. Beeindruckend.

Nicht weniger imponierent kommt die TOCCATA NEOGOTICA N.1 (Merseburg). Für Lazzeri befindet sich in Merseburg eine der wichtigsten Orgeln in D. Sie hat ihn zu dieser gigantischen Toccata animiert. Man kann diesen Tongebirgen nur erfurchtsvoll zuhören und ...schweigen.

Ein dunkelmysteriöser Mönchschor, der seine Künstlichkeit nicht ganz verbergen kann, bildet den Eingangspart von NEOGOTHIC PEDAL SOLO. Der Bass übernimmt mit etüdenhaften Motiven bis die Orgel eingreift bzw. das Stück übernimmt. Ein kleiner Ruhepunkt im Klanguniversum der Italiener.

Georg Jann ist ein deutscher Orgelbauer, der u.a. die Orgel zu Waldsassen baute (1989). Diese Orgel muss auch Hrn. Lazzeri so beeindruckt haben, dass er den nächsten Titel HERR(n) JANN widmete. Von spätromantisch bis neoklassisch könnte man den Charakter dieses Stück bezeichnen. Es kommen hier Bass und Schlagzeug etwas stärker zur Geltung als in der ersten Hälfte des Albums. Der Rockduktus setzt stärkere Akzente.

DEEP RED/PROFONDO GOTICO stellt eine Variation eines Soundtracks von  Goblin dar, welchen diese italienische Band für den Film "Profondo Rosso" eingespielt hatten. Großartige Rockorgelmusik aus den 70ern für den Bombastfreund.

Dann wird's mit der TOCCATA NEOGOTICA N.7 (St.Florian) nochmals spätromantisch als Reminiszenz an A.Bruckner, der Florianer Sängerknabe war, der Abtei immer sehr verbunden war und unter der Orgel in der Gruft begraben ist.. Nochmals fassen Bruder Julius und seine Mitbrüder Bozorius und Ursinus alles zusammen und formen ein Klanggebilde, wie es die Zeitgenossen Bruckners wohl auch getan hätten, hätte ihnen ähnliches Equipment zur Verfügung gestanden. Aber wer weiß das schon...

Fazit. der Orgelfan mit Rockvorliebe - oder umgekehrt -  bekommt mit diesem Album genau das, was er sich wünscht. Bombast und Pomp voll auf die 12. Mehr geht kaum. Dafür ärgste Empfehlung. Achtung: Suchtgefahr!

https://www.youtube.com/watch?v=Q9pS-ekHCaQ

Die Band:

  Paolo Lazzeri                              pipe organ, composition
  Maurizio Bozzi                             bass, sound engineer
  Roberto Bichi                               drums (2,4,5,6)
  Claudio Cuseri                            dr(1,7)

Titel:

1. Progressive Magdeburg         (8:22) 
2. Toccata Neogotica # 1           (11:25) 
3. Neogothic Pedal Solo             (5:03) 
4. Herr Jann                                   (6:33) 
5. Deep Red (profondo Rosso) (4:22) 
6. Profondo Gotico                       (4:07) 
7. Toccata Neogotica # 7           (10:14)

Freitag, 25. Juli 2014

PHOENIX AGAIN: LOOK OUT

Man stöbert so herum, um zu schauen, was es im Musikbetrieb Neues gibt und stößt auf diese italienische Band namens PHOENIX AGAIN(!). Claudio Lorandi (lead guitar & vocal), Antonio Lorandi (bass guitar), Sergio Lorandi (acoustic & electric guitar), Silvano Silva (drums & percussions) treffen sich im Studio im Oktober 1981 um Musik zu machen zwischen KC, Genesis, Jethro Tull, Gentle Giant, Pink Floyd, Van Der Graaf Gen., Banco Mutuo Soccorso, PFM etc..(http://www.phoenixagain.it/).

Nach einem harten Schicksalsschlag - Gitarrist und Sänger Claudio Lorandi verstarb 2007 - erscheint mit THREEFOUR eine Art Reminiszenz-CD für den verstorbenen Bandgründer, auf der Mitmusiker der vergangenen Jahre mittun.
Im Februar 2014 erschien nun die 2.CD "LOOK OUT" unter Mithilfe junger Musiker.
 Der Opener "Adso de Melk" eröffnet mit kurzem Mönchschoral, um in ein akustisches Motiv mit Gitarren und Xylophon überzuleiten. Es entwickelt sich über das Motiv zu einem Instrumentalstück ohne heavy Riffs. Es wird kurz geswingt,  locker und leicht improvisiert. Ein RollingStones-artiges Riff löst ab, ein Baßmotiv leitet zu einem Rockteil über, indem es nun zwar etwas heftiger zugeht, aber immer noch auf italienisch entspannte Weise. Keyboards legen einen kurzen Break ein, dann wird wieder akustisch improvisiert. Das Tempo wird zurück genommen, die E-Gitarre stellt ein neues Motiv vor, das Cello begleitet, wieder die akustische Gitarre, bevor unisono die elektrifizierten Instrumente das Thema übernehmen und zu einem unspektakulären Schluss kommen. Entspannt ohne Flachheiten.
"Oigres" wirkt zupackender, leicht düster ohne Schwere. Melodiös wird improvisiert, wobei sich Gitarre(n) und Keyboards - Akkordeon inklusive -  den Ball zuwerfen. Es läuft ohne Aufregung und unterhaltsam ab. Was will man mehr?
Ein Gitarrenriff läutet das Titelstück "Look out" ein. Zunächst wird im Vergleich zum bisher Gehörten gerockt im Stil der Spät60er und über die Rockbasis gejamt. Mit allem, was das Equipment so bietet.
Es geht nicht nur straight geradeaus, es wird auch mal die eine/andere komplexere Wendung eingefügt.  Crimson-floydsche Keyboards finden hier auch ihren Platz. Die Rockbasis bleibt, die Soloinstrumente toben sich aus. Das Versprechen des Openers wird hier eingelöst, der Höhepunkt des ganzen Albums.
Der ruhig beginnende "Summer" lebt von Tempowechseln und zum Ende von swingendem Gitarrensolo.
 Keith Relf's Armageddon ("Buzzard") stand Pate  von "Endless Battle". Der Phönix kommt allerdings ohne Gesang aus, das Tempo ist etwas zurückgenommen gegenüber der Vorlage. Aber die Parallelen sind unverkennbar. Der Hardrock ist die Basis, die E-Gitarre das Instrument des Stückes, das durchaus virtuos bearbeitet wird.
 Bis hierher handelt es sich um eine reine Instrumentalarbeit und die fiel recht gefällig aus. Mit "Invisible shame" kommen nun Stimmen zum Einsatz. Und der gute Eindruck ist weg. Wer hatte nur diese unsägliche Idee? Einen Song, der fast Schlagerniveau erreicht, vorgetragen von einer dünnen Männerstimme, versucht man durch Soundverschönerung - Fretlessbass- und Improeinschüben -  zu retten. Was die Sache fast noch verschlimmert. Schade, wirklich schade.
Und wie wenn nichts passiert wäre, geht's im "Winter" gerade so weiter, wie es im "Endless battle" aufgehört hatte. Auf Hardrockbasis wird fröhlich gejamt und locker improvisiert. Percussions sorgen für leichten Latinoflair, auch dem Funk wird kurz die Ehre erwiesen. Man erinnert sich an Traffic's "On the Road"...
Akustisch - Flöte, Gitarre und Cello - beginnt der Tanz der 3 Clowns, wobei jedem Clown 1 Instrument zugeordnet ist. Eine schöne Idee wird bis zum Walzerende schön umgesetzt. Sie können's doch!
 So findet ein Album sein Ende, das in toto den Hörer entspannt und heiter zurücklässt. Er fühlte sich gut und kurzweilig unterhalten. Die Band spielt einen soliden Retroprog ohne Experimente mit lockeren Jameinlagen.

Die gesamte Aufnahme kann man hier hören und bei Gefallen den Download oder die Hardcopy bestellen: http://phoenixagain.bandcamp.com/album/look-out

 Die Band:

Sergio Lorandi:      lead guitar
Antonio Lorandi:   bass guitar
Silvano Silva:        drums & percussion
Andrea Piccinelli:  keyboards & cello
Marco Lorandi:      rythm guitars
Giorgio Lorandi:    percussions        

Titel:
  1. Adso da Melk
  2. Oigres
  3. Look Out
  4. Summer
  5. The Endless Battle
  6. Invisible Shame
  7. Winter
  8. Dance of Three Clowns
    





 

Mittwoch, 16. Juli 2014

ENCORES,LEGENDS & PARADOX: A TRIBUTE TO THE MUSIC OF ELP

Der Untertitel "A tribute to the music of ELP"  lässt auf den ersten Blick vermuten, dass sich einige Musiker der 2. Reihe an ausgewählten , dem Insider wohlbekannte Stücken der Progurgesteine EMERSON,LAKE & PALMER  versuchen. Die Erfahrung mit solchen Tribute-Produktionen fällt meist zwiespältig aus, was das Ergebnis betrifft. Hier aber - surprise,surprise! - ist das Erstaunen groß, denn erstens handelt es sich bei den Akteuren durchweg um im Genre allseits wohlbekannte Größen. Und zweitens gewinnen diese den ELP-Gassenhauern  neue Aspekte ab.  Durchweg wirken alle Stücke rockiger, vor allem durch die verstärkte Hinzunahme von E-Gitarre und die Mitwirkung verschiedener Drummer, die durch ihre unterschiedlichen Energien das Rhythmusgeflecht effektvoll zu variieren verstehen. Die Stücke gewinnen an knackiger Frische.
Belege dafür liefern "HOEDOWN", bei dem Jerry Goodman's Violinbeitrag besonders hervorsticht. Ein Marc Bonilla braucht sich vor keinem etablierten Gitarrenheroen verstecken. Ein, wenn nicht der Höhepunkt dieses Albums.
 Auch "BITCHES CRYSTAL" gewinnt  durch das neue Arrangement an Format. Mit der Einschränkung, dass der Gesang Wetton's nicht ganz dem Lake's im Original gewachsen ist.
"THE BARBARIAN" gibt sich als starkes Stück zu erkennen. Dem Original am Nächsten kommt der Einsteiger "KARN EVIL 9(1st Impression)", wirkt aber noch ein Quantum rockiger als dieses. Beeindruckend hier  J.Rudess' rasendes Tastentempo.
Erstaunlich frei wird in "TOCCATA" das vorhandene musikalische Material ver- und bearbeitet und es entsteht ein nahezu neues Stück -  mit hohem Wiedererkennungswert. Sehr spannend und hochenergetisch!
"KNIFE EDGE" - ein 3-Töne-Stück mit einem Barockinterludium, so das Original. Hier schaffen es Glenn Hughes mit seiner Stimme und Marc Bonilla (g) dem Hardrock zu seinem Recht zu verhelfen. Nett das barocke Akustiksolo in der Mitte.
Mit "A TIME AND A PLACE" folgt ein DREAM THEATER-Stück. Mmhhhmm, klar ist das eine ELP- Kompostion. Aber LaBrie schafft es, daß der Hörer sich leicht verunsichern läßt. Geht als guter Rocksong durch. Auch dank Barre's punktgenauer Gitarrenarbeit.
Mit dem auf Singlelänge eingedampften "TARKUS" findet ein frischklingendes Album sein großes Finale.
Insgesamt ein schönes, frisches Retroprogalbum mit "Zeitlos"-Attribut. Jedenfalls sehr empfehlenswert für den Genrefreund.

http://www.magnacarta.net/tributetoelp/
https://www.youtube.com/watch?v=V6O75uxwkfs
https://www.youtube.com/watch?v=VEI0H7nTsRc  ---  u.a.

Die Band:
Robert Berrybass, guitar, vocals
Simon Phillipsdrums
Trent Gardnerkeyboards
Pat Mastelottodrums, percussion
Wayne Gardnerbass
 Gastmusiker:
Jordan Rudesskeyboards
Mark Woodviolin
John Wettonvocals
Igor Khoroshevpiano
Peter Banksguitar
Matt GuillorySynthesizer
Glenn Hughesvocals
Marc Bonillaguitar
Erik Norlanderkeyboards
Martin Barreguitars
John Novelleorgan
Doane Perrydrums
James La Brievocals
Mike Portnoydrums
Mark Robertsonhammond organ
Geoff Downessynthesizer
Derek Sheriniankeyboards
Tracklist:
1.Karn Evil 9 1st impression8:47
2.Bitches crystal4:38
3.Toccata8:04
4.Knife edge5:15
5.A time and a place6:11
6.Hoedown3:43
7.The sheriff5:55
8.The endless enigma10:16
9.The barbarian4:40
10.Tarkus6:43