Dienstag, 18. März 2014

VANDEN PLAS: CHRONICLES OF THE IMMORTALS - NETHERWORLD (Path One)

Es war eine Theateraufführung, die mich mit VANDEN PLAS zum ersten Mal in Kontakt brachte. JESUS CHRIST SUPERSTAR stand auf dem Programm des Kaiserslauterer Pfalztheater. Die rockigen Parts des weltberühmten Musicals übernahm eben diese Band. Ihr Sänger Andy Kuntz sang und spielte den Judas mit soviel Herzblut, dass ich mir das Stück einige Wochen später nochmals anschaute - mit wachsender Begeisterung. Ab sofort kümmerte ich mich ein wenig mehr um diese Band, zumal sie aus Kaiserslautern -  gerade bei mir "um die Ecke" in der Pfalz  - zuhause ist.
Nach JCS folgten in Kooperation mit dem Pfalztheater noch einige gemeinsame Musicalprojekte zu beiderseitigem Nutzen. Die Aufführungen waren durchweg zu einem hohen Prozentsatz ausverkauft und Stefan Lill, der Gitarrist, gab in Interviews zu verstehen, dass dieses Engagement das Überleben der Band ermöglichte.
So auch das Musikalprojekt "Blutnacht", das dieser CD-Veröffentlichung voranging in der Spielzeit 2012/13. Es war ein Produkt der Zusammenarbeit von VANDEN PLAS und keinem geringeren als Wolfgang Hohlbein, einem der erfolgreichsten Fantasyautoren der Republik. Man hatte seinen Romanzyklus "Die Chroniken der Unsterblichen" zur "Blutnacht" verdichtet und erfolgreich aufgeführt mit Andy Kuntz in der Hauptrolle. Die Musik schrieb die Band, die zu den Lieblingsbands des Hrn. Hohlbein gehört.Der Erfolg des Stückes legte nahe, es auch für die Nachwelt zu konservieren. So in Etwa wurde diese Aufnahme wohl geboren.
Was kann man also von einer Umsetzung eines Theaterevents auf das CD-Format erwarten?  Der Reigen beginnt mit Glockenschlägen und breitem Keyboardmotiv, über die eine männliche Stimme bedrohlich in die Story einführt. Es folgt ein sich organisch entwickelndes Klangkino: große Gesten, Bombast, Melodienseligkeit mit metalischen Riffs und griffig-knackigen Soli (Stefan Lill,g) eindrücklich verstärkt,  ausdrucksstarker und sehr geschmeidiger Gesang von Andy, bei den Titeln 4,5,7,8 und 10 von Julia Steingass eindrucksvoll unterstützt, wie ebenso vom Chor des Pfalztheaters. In Vision 5 - "A ghosts Requiem" -  lassen sich beim dem Genre gewogenen Hörer wohlige Schauer nicht vermeiden, so hoch ist die Intensität von Melodie, sängerischem Vortrag und bombastischem Klanggebirge - ich liebe das! Damit ist Günter Werno (keyb) ein gewaltiger Ohrwurm gelungen.Chapeau! Auffällig, dass die Keyboards mehr in den Fokus rückt ohne die Gitarre(n) abzudrängen, was eine schöne Ausgewogenheit im Gesamtsound ergibt.
Im anschließenden "New Vampyre" läuft die Band zur Hochform auf in ihrem typischen Stil, der sie - zumindest in Deutschland - so unverwechselbar macht.Die Mischung von hartem Geriffe, lyrischen Teilen, melodiösen Soli und der wandlungsfähigen Stimme Kuntz's legt  die Messlatte schon ziemlich hoch. Nächster und abschließender Höhepunkt bildet "Inside", das so endet, dass man eine Fortsetzung erwarten kann...
VANDENPLAS ist mit den "Chronicles..." ein großer,druckvoller Wurf im Genre Progmetal gelungen. Für mich die beste Veröffentlichung der Truppe seit langem. Der Fan wird daran nur schwer vorbeikommen.
Und für das Frühjahr 2015 ist Path II angekündigt.Wer hätte das gedacht...
Anspieltipps: schwierig - aber wenn's sein soll - A Ghosts Requiem, New Vampyre, Inside

http://www.vandenplas.de
http://www.vandenplas.de/videos/

Die Band:
Stefan Lill:                               g,comp
Andy Kuntz                            voc,comp
Günter Werno                         keyb,comp
Torsten Reichert                      b
Andreas Lill                            dr

1.Vision 1ne4:00
2.Vision 2wo - The Black Knight8:47
3.Vision 3hree - Godmaker5:35
4.Vision 4our - Misery Affection Prelude1:43
5.Vision 5ive - A Ghost Requiem4:05
6.Vision 6ix - New Vampyre6:29
7.Vision 7even - The King And The Children Of The Lost World8:09
8.Vision 8ight - Misery Affection5:19
9.Vision 9ine - Soul Alliance6:53
10.Vision 10n - Inside6:56

Sonntag, 2. März 2014

RUSH : MOVING PICTURES

Es gibt Bands, die mag man einfach nicht. Ohne genau zu wissen, warum. Man hatte sie das erste Mal gehört an einem Tag, an dem man von seiner Favoritin gerade einen Korb bekommen hatte oder der Chef hat einem die mieseste Arbeit ever zugeteilt oder der Zug fiel aus oder... oder... So oder so ähnlich musste es mir damals ergangen sein, als ich das erste Mal mit RUSH in Kontakt kam. Mir blieb als damaliger Eindruck eine schrille Stimme, die versuchte zu singen und dabei dramatisch zu klingen, dazu Amirock ohne spürbaren Bass, der irgendwo zwischen Drums und Gitarrenlärm unterging. Nee, war nicht meins. Bis ich vor Kurzem diese Rezi (Nr.4 von N.Brückner) las:  http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=632&content=review.
Welch eine Ungehörigkeit, 15 von 15 Punkten zu geben. So toll konnte die doch ..., naja schaun bzw. hörn mer mal.
Es finden sich Hardrocksongs  mit Ausflügen in komplexere Gefilde, teilweise vertrackte Rhythmen - "Yyz" - ,Raggae mit Synthie und Hardrockgeriffe und deutlich spürbarem Bass incl. Kurzsolo ("Vital signs") + hymnischem Schlussrefrain.
Das Instrumentarium teilen sich Geddy Lee b,keyb,voc - Alex Lifeson g,Taurus pedals(?) - Neil Peart d,perc. Und dass sie dieses hervorragend beherrschen, macht die professionelle Produktion sehr druckvoll deutlich. Sie schafft es auch die Stimme von Mr. Lee so zu zähmen, dass man ihr sogar gerne zu folgen vermag. Das Ganze verteilt auf 7 Titel unterschiedlicher Spielzeiten zwischen 4:19 und 10:56 min.
 Kurz und gut: es wird hardrockig-komplex musiziert ohne den Hörer zu überfordern einerseits und andererseits keine Längen aufkommen zu lassen. Es geht gut ins Ohr, der Fuß wippt locker mit. Man hört aufmerksam entspannt zu, - diese CD macht richtig Spaß!
Nix zu meckern also? Oh doch! Die Ausblenden am Schluss (wo sonst?) der ersten beiden Titel sind für mich kompositorischer Offenbarungseid. Wenn ein Profi einen Song beginnen kann, dann hat er auch das Potenzial ihn zu beenden - musikalisch und nicht technisch. Das sind klare Minuspunkte - und damit sind die 15 Punkte perdu, Kollege Brückner.

 Anspieltipp: Yyz, Limelight, The camera eye

http://www.rush.com/

Die Band
Geddy LeeBass guitars,synthesizers,vocals
Alex Lifesonelectric and acoustic guitars
Neil Peartdrums,percussion

1.Tom Sawyer4.33
2.Red barchetta6.06
3.Yyz4.24
4.Limelight4.19
5.The camera eye10.56
6.Witch hunt   ((part III of "Fear"))4.43
7.Vital signs4.43
http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=632&content=review

Sonntag, 2. Februar 2014

GRAND FUNK RAILROAD: CAUGHT IN THE ACT

Hiermit verlassen wir die Prog- bzw. prognahen Pfade und wenden uns den roots zu. Mal eine Auszeit nehmen und die Genregrenzen verlassen. Schlicht: es mal krachen zu lassen. Einer der uramerikanischen Bands ever nähern wir uns  - mit Nostalgie im Herzen. Ach, wie haben wir damals debattiert in den '70ern: ist das "gute" Musik oder nur "Geschrammel" und aufgeblasene Muskelspielerei? GRAND FUNK RAILROAD war eine dieser Bands, die polarisierten.
Da gab es die sattsam bekannten Art-/Progrocker, die Blueser, die Hippies, Folk, Funk und Soul, die Palette war breit. Die Meinungen waren - durchaus jugendlich emotional - entsprechend sehr geteilt. Für den Folkie war das nur Lärm, der Blueser lächelte milde, der Art-/Progrocker tippte sich verständnislos an die Stirn. Der Rezensent wollte es sich mit seinem damaligen Freund nicht verderben und übte sich zaghaft im damals beginnenden Headbangig-Sport. Man konnte es sich zeitweise anhören. Es hatte was Gigantisches, was man um diese Band hören und lesen konnte: größte/lauteste PA, größte Massen an Menschen, die damals zu Einzelgigs und Festivals strömten. Eine Aura von Größenwahn waberte um Mark Farner (g,voc) und seine Mannen. Auch was die musikalische Kompetenz betraf, ließ die Kritik kaum bis wenig Positives verlauten.
Zunächst als Trio gegründet (1968 - wann sonst? http://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Funk_Railroad) holten sie 1972 Craig Frost als Keyboarder in die Gruppe und nahmen mit ihm  1975 CAUGHT IN THE ACT live auf, zusammengesetzt aus Konzertmitschnitten aus 3 Städten. Durchweg lässt sich feststellen, dass die Band nicht nur groovt, sondern durchweg rockt. Und das manchesmal wie "d'Sau"! Gleich ob sie sich dem Funk annähert wie beim Einsteiger "FOOTSTOMPIN' MUSIK" - wer bei diesem Teil die Gliedmaßen still halten kann, hört entweder nix oder ist gerade sediert - oder beim Schlussteil von "HEARTBREAKER", in dem die Band nochmal mächtig Gas gibt. Mein Favorit ist und bleibt neben "FOOTSTOMPIN' MUSIK"  "INSIDE LOOKING OUT" . Das alberne "T.N.U.C." hätte man sich sparen können für die CD. Im Konzert hat ein Drumsolo noch einen optischen Aspekt, aber musikalisch...?
 Es ergibt sich über alle Titel hinweg eine Mischung von Hardrock und Soul/FunkPop("LOCO-MOTION"!), wobei das Verhältnis gefühlt 70:30 ist. Diesen Mix boten seinerzeit wenige weiße Bands und von daher wirkten sie in die Zukunft hinein. Was den Hardrockanteil betrifft, bereiteten sie hiermit den Prozess hin zu Heavy/Metal vor. GUNS N'ROSES wären ohne GRAND FUNK nicht so denkbar, wie Axl & Co. auftraten.
Die Häme, die über GFR ausgegossen wurde, konnte ich damals und kann sie auch heute im Rückblick nicht nachvollziehen. Sie haben im Rock aus meiner Sicht ihren Teil zu einer Weiterentwicklung beigetragen.
Und dafür ist diese CD ein Dokument. Sie klingt wg. des Einsatzes der Keys nicht mehr so knochentrocken wie die ersten LPs, die noch als Trio aufgenommen wurden. Mit den Keyboards boten sich Möglichkeiten für neue Impulse. Und eröffnete dem Stadionrock Tür und Tor, der zum Ende der 70er  dem Progrock das Leben zunehmend schwer machte. Auch hierzu trugen GRAND FUNK ihr Scherflein bei.
Was bleibt ist ein Livealbum, das diesen Namen verdient, da es sehr lebendig rockend rüberkommt und einfach Spaß macht. Eingeschränkt empfohlen für den Progpuristen.

http://www.grandfunkrailroad.com/
http://www.youtube.com/watch?v=0x6chChxzV0
http://www.youtube.com/watch?v=uW3nPqPPBDw&list=RD0x6chChxzV0

Die Band:
 Mark Farner                        g,voc
 Don Brewer                         dr,voc
 Mel Schacher                       b
 Craig Frost                           keys

 1.Footstompin' music                                    4:07
 2.Rock'n Roll Soul                                        4:04
 3.I'm your captain/Closer to home                 7:08
 4.Heartbreaker                                             7:22
 5.Some kind of wonderful                             4:14
 6.Shinin' on                                                   5:31
 7. Loco-Motion                                            3:21
 8.Black Licorice                                           4:27
 9.The Railroad                                              6:13
10.We're an american band                            3:38
11.T.N.U.C.                                                  9:32
12.Inside looking out                                     12:24
13.Gimme shelter                                            7:00



Samstag, 1. Februar 2014

CARAVAN: PARADISE FILTER

Pressfrisch liegt diese neue CD nun im Player. Neugierig bin ich darauf, was die Urgesteine des der Canterbury-Szene zugeordneten Progzweiges nach 11 Jahren des Wartens - The Unauthorised Breakfast item war 2003 erschienen - Neues zu bieten haben. In Unkenntnis der letztgenannten CD muss ich nach wenigen Hördurchgängen feststellen, dass es nix Neues, will heißen, es nichts gibt, was man nicht schon von CARAVAN gehört hätte. Irgendwo zwischen For Girls who...(1973) und dem von der Kritik nicht gerade euphorisch aufgenommenen The Album (1980) scheint für die neue der Ausgangspunkt zu liegen.  Das Gründungsmitglied Pye Hastings (g,voc) hat die Sache im Griff, er komponierte 9 der 10 Songs, führt die Gesangsstimme mit den backing vocals, spielt die Rhythmusgitarre, die insgesamt ziemlich in den Vordergrund gemischt ist, und die Soli. Es könnte sich auch um eine PyeHastings-SoloCD handeln.
Los geht's mit ALL THIS COULD BE YOURS, das stark an  FOR GIRLS... erinnert mit der vordergründigen rhythmguitar und Geoffrey Richardson's viola. Gerade davon wünscht man sich mehr. Strammes Tempo zwar wird angeschlagen - die "Jungs" sind nun auch schon stark um/über 60! - , aber ohne Hektik; mit einer spürbaren Lässigkeit fließt dieser Song ins Gehör. Schöner Ohröffner!
Dann wird's mit I'M ON MY WAY eine Spur poppiger und überschaubarer. Einfache Melodieführung und simpler Refrain, mehrstimmig aufgepeppt, ein Dire-Straits-Solo, Refrain, Strophe, Keyboardsolo, das war's. Enttäuschend. Was soll man mehr Worte machen?
Es kann nur besser werden. FINGERS IN THE TILL ist schon etwas anspruchsvoller gestrickt. Der Song beginnt balladesk mit Keyboardflächen und ruhig gespielten Gitarrenakkorden über die Pye seine Strophe singt. Der Refrain trägt schonmal Ohrwurmcharakter in sich, wie sich unschwer feststellen lässt. Ein Song, der sich ins Ohr legt und nur schwer zu löschen ist. Etwas in Richtung Edelpop.
Eine Rhythmusfigur der etwas härteren Art beginnt THIS IS WHAT WE ARE, ein Song, der sich offenbar mit dem menschlichen Wesen in der heutigen Welt auseinander zu setzen scheint. Leider liegen mir die Lyrics nicht vor und mein Englisch... naja, lassen wir das. Bis dato der beste Titel, da etwas heftiger zugepackt und soliert (Pye Hastings,g, wer sonst?) wird.
Akustische Gitarren eröffnen DEAD MAN WALKING, gepaart mit einer Mundharmonika und wenigen Violatönen macht sich eine leichte Krimiatmosphäre breit. Aber um den Hörer wirklich das Fürchten zu lehren, ist das Ganze doch zu harmonisch komponiert. Ein Klaviersolo bringt den Rest der Band ein wenig zum Grooven, was zwar nett zu hören ist, aber wenig bis nichts wirklich Aufregendes anbietet.
Ein letztes  FAREWELL MY OLD FRIEND ist wohl die Abschiedshymne der Band für den kürzlich verstorbenen Richard Coughlan, der von der Gründung der Band 1968 bis 2010(?) die Drums schlug. Eine Ballade, wie man sie zu diesem Anlass erwarten darf; mit einem schönen Violasolo und ebensolchem Refrain.
Stilvoll, mit Würde.

Jetzt wird's funky! Aber nicht zu hastig, sonst...PAIN IN THE ARSE! Der Text ist wohl typisch canterbury. Es klingt alles sehr auf Sparflamme oder, wenn man es positiv ausdrücken möchte, relaxt. Es fehlt das Feuer, wenn man nicht selbst den Kamin anzündet und den Abend mit einem Glas Rotwein genießt oder womit auch immer.
Mit TRUST ME I'M A DOCTOR gibt's nun auch noch ein Shanty nach Hasting'scher Art. Ok, who cares?
Dass er Soli spielen kann, wissemer nun auch.
 Dem Ende zu geht's nun langsam mit Mandoline (G.Richardson) und einem Ohrwurmrefrain in  I'LL BE THERE FOR YOU. Wieder nett, sehr nett.
Das "furiose" Finale beginnen sie ganz ruhig mit paradiesischem Flair bis sie dann wieder kurz ihre Vergangenheit aufblitzen lassen als Hastings einige typische Riffs ins Geschehen schickt. Geoffrey Richardson darf seine angenehme Stimme vorstellen. Vlt. etwas dünn, aber sympathisch.
Und so plätschert sie dahin, die Neue von CARAVAN.
Keine Experimente, gediegen, teilweise softpoppig, kein Prog, kein Rock, Songs relaxed. Nicht mehr, nicht weniger.

http://officialcaravan.co.uk/home/
http://officialcaravan.co.uk/blog/2011/10/08/concertlive-shepherdsbushempire-2011-imonmyway/

Die Band:
 Pye Hastings                         g,voc,comp
 Geoffrey Richardson            g,viola,cello,mandolin,voc,fl,
 Jan Schelhaas                       keys,voc
 Jim Leverton                         b,voc
 Mark Walker                        dr,perc


  1. All This Could Be Yours                    4:30
  2. I’m On My Way                                   4:27
  3. Fingers in The Till                              4:45
  4. This Is What We Are                           4:10
  5. Dead Man Walking                             5:59
  6. Farewell, My Old Friend                     4:06
  7. Pain In The Arse                                 4:30
  8. Trust Me I’m a Doctor                         4:28
  9. I’ll Be There for You                           6:14
  10. The Paradise Filter                             6:00
http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=leitfaden&leitfaden=6#35
http://de.wikipedia.org/wiki/Caravan_(Band)


Montag, 27. Januar 2014

GEYSIR: URWORTE

Das 2. Werk der deutsch-niederländischen Formation um den Geiger Frank Brempel, das etwas umfassender ausgefallen ist als das Debut GEYSIR; es gibt etwa 10 Minuten mehr Kunst auf die Ohren. Dieses Mal ist der Dichterfürst Deutschlands der Texter, die "Urworte orphisch" von J.W.Goethe, prologisch einige Verse aus Shelley's "Frankenstein" vorangestellt. Damit ist dem literaturaffinen Proggy schon mal eine Herausforderung gestellt, um seine Interpretationstalente zu fördern. Der Rezensent wird sich diesbezüglich zurückhalten, da -- nunja, Literatur schon, aber Interpretation von Hochliteratur, da kann er sich nur vergaloppieren.
Der "PROLOG" beginnt also, mit Percussionsgeklapper, Rollgeräusche, ohne erkennbare Struktur, aus dem "off". "The creation of the world..." spricht eine männliche Stimme aus der gleichen Richtung. Dann bricht's los, donnerndes, schweres Schlagzeug, ein Riff von Geige und Gitarre, bricht abrupt ab, wieder percussives Geklapper, wildes Gitarrensolo; damit sind wir schon bei -
Titel Nr.2  "DÄMON", ein Hardrocker mit absteigendem Gitarrenriff, perlender Pianobegleitung, Break und Gitarrensolo. Der Text wird gesanglich von Jenny Thiele getragen mit angenehmem, aber nicht süßlichem Sopran, der sich gut in das harte Geriffe einbettet. Zumal sie den 2.Teil des Textes mit reduziertem Instrumentarium als Begleitung vortragen kann. Zum Ende hin wird wieder gerifft, Ausklang, nächstes Urwort,bitte:
 Ganz piano klingt die Geige, der Bass tropft wie Regen, die Gitarre ruhig, die Becken rauschen, das Piano perlt, die Simme erhebt sich , wie  "DAS ZUFÄLLIGE" - so dieser Titel. Schön finde ich den weichen Klang der Geige -  bis die Flamme, die entzündet. Dann bricht sich das Licht - die Stimme - seine Bahn, umkreist das All und ...erlischt.
Aus dem Dunkel erklingt ein Pianomotiv, die Geige setzt ein, die "LIEBE" bleibt nicht aus. Chansonhaftes kommt nun zum Gehör, Fr. Thiele ist sehr gut zu verstehen, die Instrumente begleiten songdienlich, wie man das so nennt in der Branche.
Nun wird's heftiger und aggressiv, es kommt zur "NÖTIGUNG", nicht schön, aber gänsehautfördernd, die verfremdete Gitarre mit ihrem angeschrägten Motiv, auch die nachfolgenden Instrumente scheinen harmonikalisch neben der Spur zu laufen. Der Text wird gesprochen, geht fast im lärmenden Gerocke unter.
 Ein Bassoutro leitet über in die aufkeimende "HOFFNUNG". Das Schlagzeug marschiert, die Violine schraubt sich nach oben, die Stimme entriegelt die Pforte. Break.Stille. Ein Vers, wieder wird marschiert, die Stimme folgt der Geige auf ihrem Flug...hinter uns...
 "EPILOG" - aus der Ferne Töne, Gerolle weit weg ...dann bricht sie wieder los, die wilde Fahrt, mit schwerem Gitarrenriff-metallisch, Drums aus dem Stahlwerk, die Violine losgelassen, von ganz oben nach unten und in wilden Doppelgriffen wieder nach oben. Ausklang - Drumschläge.
 Fazit: Wie schon an anderer Stelle hier erwähnt,  funktioniert Deutschsing und Rock bestens, wenn kompetente Menschen sich darum bemühen. Und Kompetenz stellen Frank Brempel und seine Band hiermit nachdrücklichst unter Beweis. Es wird virtuos gerockt, soliert - gerne mehr davon! - und gesungen. Die Aufnahme ist bestens produziert und hält aus meiner Sicht jeglichem Vergleich stand. Gerne mehr beim nächsten Mal.
In Gänze anhören kann man sich das Werk hier:http://geysir.bandcamp.com/album/urworte

PS: In die Progschublade kann der Archivar dieses Werk stecken, wenn er es als Ganzes hört und die einzelnen Abschnitte als solche ignoriert. In die Hardrockkiste kann der Rocker dies stecken, wenn er die einzelnen Stücke als solche favorisiert. Vom Höreindruck bevorzuge ich die Hardrockvariante mit proggigem
Einschlag.

http://www.heyblaurecords.com/geysir.php
http://geysir.bandcamp.com/album/urworte

 Die Band:
 Frank Brempel                            vio,comp
 Jenny Thiele                                voc,p
 Thomas Mühlhoff                        g
 Immanuel Schulte-Ontrop            b
 Benni Koch                                dr


1.Prolog3:25
2.Dämon4:13
3.Das Zufällige7:03
4.Liebe4:01
5.Nötigung2:27
6.Hoffnung2:37
7.Epilog2:56

http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12147&content=review

Sonntag, 19. Januar 2014

GEYSIR : GEYSIR (EP)

Elektrifizierte Geige ist nun im (Prog-) Rock nix Neues mehr. Eddie Jobson,  David Cross (Ex-KC), die Bands EAST OF EDEN,  CURVED AIR mit Darryl Wolf - mein Favorit auch und gerade mit seinem WOLF-Projekt - seien hier nur stellvertretend genannt. Sie öffneten den Rock für dieses Instrument. Jerry Goodman im MAHAVISHNU ORCHESTRA kann nicht vergessen werden, obwohl hier eher der Jazz das Fundament war.
Nun (2010) tritt eine Grenzgängerband aus dem Grenzland BRD/NL in die Szene mit dieser knapp 19minütigen EP und offeriert eine Spielart des Rock, den ich als sehr "art"ig bezeichnen will. Es wird Kunst geboten in Text und Musik. Von Künstlern -  für Künstler(?). Der Anspruch ist hoch.
Der erste Titel "WORTLOS" beginnt mit einem wie von oben einfallenden schleifenden Geigenton. Uniten angekommen setzt ein Synthie-Bassmotiv den rhythmisch-groovenden Grund, die Drums steigen mit ein, wie auch immer getunte Gitarre - oder ist das auch Violine? - sorgen mit der Geige für das Ambiente, das die nun einsetzende Sopranstimme nach vorne trägt. Die Worte kommen klar und verständlich. Wenn wortlos, dann fügt sich die Stimme in das Geschehen geschmeidig ein. Pianist- und Sängerin Jenny Thiele ist für diesen Text und auch den des folgenden Stückes REFLEXION verantwortlich.
Ab Minute 5:00 drückt die Gitarre - Thomas Mühlhoff - aus, was noch zu sagen bleibt...
REFLEXION beginnt mit einfachen Pianotönen, die Spannung steigernden Instrumenteneinstiegen bis die Musik ausbricht in einen bedrohlichen Höhepunkt, der wiederum zurückfällt und ausklingt um wieder zu explodieren. Ausklang in piano.
Dann tritt textlich ein Bekannter die Bühne: Erich Frieds Gedicht "Gründe" bildet die Grund(!)lage des Titels GRÜNDE, das in ein Zwiegespräch mündet, an dessen Ende keine/r der/m anderen mehr zuhört. Etwas kurz geraten, man wäre dem gerne noch länger gefolgt. Die Geige trägt den Hauptteil der instrumentalen Begleitung, indem sie das immer gleiche Motiv wiederholt. Eine Metapher unserer Art von Kommunikation?.Die Musik dient dem Text wie ein Katalysator.
GROSSSTADT ist ebenfalls ein Ausschnitt eines größeren Ganzen. Beziehungsweise hat man die erste Strophe des Originals weggelassen (warum eigentlich?). Kurt Tucholsky beschreibt darin im Gang des Menschen durch eine (Groß-)stadt.dessen Verlorenheit. Die Musik findet ihren Ausdruck in spannungsreichen Passagen, angeführt von der Geige Frank Brempels, sehr variabel und expressiv begleitet vom Rest der Band. Genial vorgetragen ist der Text wie in den vorangegangenen Stücken von Sängerin Jenny Thiele.Hier findet der Proggy Breaks, harmonische Wendungen, Soli von Gitarre und Violine.Geschickt spielt man mit den Möglichkeiten des Dynamischen in Tempo wie in der Lautstärke.

Was bleibt als Resumé dieses Debuts? NewArtrock kombiniert mit Alternativeeinfluß - würde ich mal sagen. Das Ganze frisch und lebendig mit Tiefgang präsentiert.Keine leichte Kost zum Nebenbeihören. Es fordert ein Auseinendersetzen.
 Ein ganz starkes Teil! Man darf gespannt sein auf Weiteres.

Die Band::
 Frank Brempel                 v, comp
Jenny Thiele                      voc, p
Thomas Mühlhoff.             g
I. Schulte-Ontrop              b
Benni Koch                      dr

http://www.geysirband.de/

1.Wortlos5.24
2.Reflexion4.40
3.Gründe3.01
4.Großstadt5.19

http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=11334