Samstag, 4. April 2015

QUANTUM JUMP: BARRACUDA

Das zweite Album der Truppe um Mastermind Rupert Hine erschien ein Jahr (1977) nach dem Debutalbum, das außer dem Hit "Lone Ranger" kaum Aufmerksamkeit erregte. Aber die Rezension in der damaligen Szenepostille "SOUNDS"  - Zitat: "...Es passiert heutzutage nicht oft, dass unsereins mit heruntergeklappter Kinnlade vor den Boxen sitzt und dann alle Leute bequatscht, sich diese Platte anzuhören. ..." Zitatende - weckte die Neugier des Rezensenten und der machte sich auf, das Album zu erwerben, nur die Worte des guten Manfred Gillig vor Augen, blind vertrauend auf die (Geschmacks)kompetenz des Kritikers. Es gab keine Enttäuschung, aber auch keine Euphorie. Die Musik gefiel. Und sie gefällt auch heute - 37 Jahre später - immer noch. Warum? Weil sie zeitlos und immer noch frisch daherkommt, will heißen, dass sie zwar ein Kind ihrer Zeit ist, aber sich nicht dem Mainstream der damaligen Zeit angebiedert hat. Auf der Platte ist Pop, ohne Zweifel. Aber einer, der erwachsen ist, der seine pubertäre Phase hinter sich gelassen hat. Da ist jede Komposition ausgereift, es gibt keine Wischiwaschiexperimente. Im Gegenteil, man verwendete gepflegtes Können - genannt seien Elkie Brooks (voc), das Penguin Cafe Orchestra, Geoffrey Richardson (g,viola,fl) als "Gast"musiker - und einen sorgfältigen Umgang mit der Studiotechnik. Ich verweise auf das aufnahmetechnisch und arrangementmäßig sehr gepflegte Handling mit den Solo- und Chorstimmen. Auch heute noch vorbildhaft! Die einzigen Zugeständnisse an den damaligen Zeitgeist sind die Ausblendungen am Ende der Songs.
Um den raffiniert komponierten und arrangierten Titelsong "BARRACUDA"  - mit Elkie Brooks als Gastsängerin - gruppieren sich auch heute  nicht weniger interessierende Songs zwischen Funk,Pop und Angejazztem.
Der eigentliche "Star" der mir vorliegenden Ausgabe von Esoteric Recordings (2015) ist die 2. CD, die ein BBC Radio One-Liveauftritt vom 16.Juli 1977 der Truppe. Sie bezeugt, dass die Songs auch live bestens funktionieren und nicht nur das spärlich vorhandene Publikum sondern auch den Konservenkonsumenten zunehmend Spass an der Musik haben lassen. Und um mehr oder weniger geht es hierbei nicht Spass haben, unterhalten werden ohne Plattheiten oder Peinlichkeiten. Die Songs klingen naturgemäß etwas rauher, direkter, aber auch durchsichtiger als die vergleichbaren Studiotakes.
Angeboten wird ein Mix aus den 2 StudioLPs, wobei "No american starship" ein wenig abfällt. Vlt. hatte man kleine Abstimmungsprobleme. "Over Rio" wird vocal in die Nähe der TALKING HEADS ("Psychokiller") gerückt, "Barracuda" fehlt zwar die Stimme von Elkie Brooks vom Original, dennoch kann die Liveversion fesseln aufgrund der Komposition bzw. des raffinierten Arrangements, das  progressive Elemente aufweist. Auch "The Seance" kann seine Nähe zur lässigen Seite von TALKING HEADS nicht verleugnen. Die Hitsingle "Lone Ranger" vom Debutalbum reißt auch live mit. Den Abschluss bildet "Starbright Park", ein funky Song, bei dem Geoffrey Richardson seine Viola ein wenig in den Vordergrund stellen darf. Der Gitarrist ist übrigens beim Liveset ein gewisser Roye Albighton , ex-Mitglied bei NEKTAR.

Insgesamt eine lohnende Anschaffung für den Proggy, der die Berührung mit reifem Pop nicht scheut.

 Die Band:
Rupert Hinekeyboards & other keyboards, vocals
Trevor Moraisdrums, percussion
John G. Perrybass guitar, vocal

Gastmusiker

Geoffrey Richardsonacoustic & electric guitar, viola, electric viola, Kentish wheeze flute, Ilkley brain flute
Ray Coopermultifarious percussion
Paul Keoghacoustic & electric guitar
Elkie Brooks              vocals on "Barracuda"
Simon Jeffesarrangements
The Penguin Cafe String Ensemble
The Tower Of Lowther Horn Section
Roye Albighton         g auf CD2

 Titel CD1:
1.  Don't look now                   4:13
2. The Seance                          3:45
3. Barracuda                            6:07
4. Starbright Park                    5:47
5. Love Crossed                      6:43
6. Blue Mountain                    3:45
7. Europe on a dollar a day     3:43
8. Neighbours                          6:41
9. Summer in the city(cover)  4:03
10.Take me to the void again  3:41
11.Don't look now(remix)       3:34
12.Barracuda(remix)               5:56

Titel CD2: BBC Radio One 16.7.1977
1. No american Starship          4:31
2. Over Rio                              4:29
3. Don't look now                    4:14
4. Barracuda                             8:28
5. The Seance                           4:57
6. The Lone Ranger                  4:09
7. Starbright Park                      6:48
8. Don't look now (single version) 3:34
9. Love Crossed (single B-side)     4:04
10.Blue Mountain (remix)              3:34
11.Neighbours (remix)                    6:19


Sonntag, 15. März 2015

QUANTUM JUMP: dto.

QUANTUM JUMP? Quantensprung?- Wer is'n das denn? Werden sich die Jungen fragen. Und die Altvorderen werden sich auch - wenn überhaupt - nur dunkel an diese Truppe um Rupert Hine (The Fixx, Rush, Saga, Thinkman etc.) erinnern. Als  Gründungsdaten werden die Jahre 1972 - 74 genannt; fest steht, dass das Debut QUANTUM JUMP im Juni 1976 als Electric TRIX 1 veröffentlicht wurde.
In den Farmyard Studios trafen sich zu den Aufnahmesessions Rupert Hine an den Keyboards, Trevor Morais (The Peddlers) an den Trommeln und Becken, von CARAVAN kam John G. Perry mit seinem Bass und Mark Warner (Kevin Ayers) an der Gitarre. Es entstand ein Mix aus Artpop ("No american starship"), Funk/Soul, Pop und Rock - durchaus auch mit progressivem Einschlag.
Gleich der Opener "CAPTAIN BOOGALOO" sorgt mit seinem hüpfenden, funky Rhythmus und den abwechslungsreichen Vocals für einen Hinhörer.
"OVER RIO" beginnt mit einem Bassriff, setzt sich als Funknummer mit Bläsersatz fort, nimmt eine kurze Popschleife als Übergangselement um wieder in den Funk zurück zu kehren. Diese Wendung wiederholt sich und so entsteht ein Track, der schon mal 3 Genres in sich vereint.
Ein erster Höhepunkt wird gleich mit der Eröffnung von "LONE RANGER" erreicht. Die klärenden Worte zu Beginn wurden nach langer Suche für passend gefunden. Es handelt dabei sich  - so die Quellen stimmen - um den Namen eines Berges in Neuseeland. Aus diesem Zungenbrecher entwickelt sich ein Artpopsong, der sich durchaus mit den besten "10cc"- und "801"- Songs messen kann. Überhaupt ist die musikalische Nähe zu den Genannten durchgängig ohrenfällig.
So auch "NO AMERICAN STARSHIP": ohrwurmmäßig eingängig, mit schönen Gitarrenfills, swingendem Rhythmus und fast hymnischem Schluss, begleitet von rockigem Gitarrensolo.
Dann scheint es ruhiger zu werden mit "ALTA LOMA ROAD", das als Rockballade angelegt ist, in seinem Mittelteil aber ein derart losgehrockigen Ausbruch aufweist (Min. 2:20), der an CARAVAN ("FOR GIRLS..."-Phase) erinnert, dass man sich verwundert die Ohren reibt. Auffallend auch hier ist die Sorgfalt, die auf die Arrangements der Vocals gelegt wurde.
Und so wird es ein wenig proggy, denn "COCABANA HAVANA" hält auch einen hochenergetischen Improvisationsteil parat, eingebettet in einen latinfunkigen Artpoptitel. Man bricht auch hier Genregrenzen auf.
"CONSTANT FOREST" ist ein ruhig fließendes Instrumental, leicht jazzy, die Melodie fast unisono von E-Piano und Gitarre vorgetragen. Eine Ruheinsel bis es mit dem 4-teiligen "SOMETHING ON THE BOTTOM OF THE SEA" zum großen Finale geht. Anfangs wird's jazzrockig bis zur Minute 4:25.  Ein einfaches Bassmotiv leitet ein, Keyboardflächen sorgen für ein ruhiges Schweben, die akustische Gitarre umgarnt solistisch den schleppenden Rhythmus - die unvermeidliche Ausblende (Achtung:Zeitgeist!) beendet die Originalausgabe der LP(CD).
Esoteric Recordings nahm sich dieses Werkes im Jahre 2014 nochmals an und remasterte die Originale. Wie heute üblich ergänzte man das Original mit sog. Bonustiteln. DRIFT überrascht mit stark an MAGMA angelehntem Arrangement. Es kommt allerdings nicht so bedeutungsschwanger und düster wie die Zeuhlurgesteine. Interessant!
Die 79er Remixe von Captain Boogaloo/The Lone Ranger/Over Rio/No American Starship bringen keine wesentlichen Unterschiede zu den Originalen.
Insgesamt eine lohnende Anschaffung für den (art)popaffinen Proghörer, der sich in die Vergangenheit wagt und sich gerne überraschen lässt.

https://rupert-hine.squarespace.com/

 Die Band:
Rupert Hinelead vocals, keyboards, multilectras varium
John G. Perrybass guitar, vocals
Trevor Moraisdrums, percussion
Mark Warnerguitars, vocals
Gast:
Ray Cooperpercussion
Morris Pertpercussion

Titel:
1.Captain Boogaloo4:19
2.Over Rio4:22
3.The Lone Ranger2:55
4.No American Starship4:55
5.Alto Loma Road4:46
6.Cocobana HAvana5:10
7.Constant Forest2:17
8.Something At The Bottom Of The Sea - Stapping Stones   (Part 1: Stepping stones)1:11
9.Something At The Bottom Of The Sea - The Roving Finger   (Part 2: The roving finger)2:02
10.Something At The Bottom Of The Sea - Stepping Rocks   (Part 3: Stepping rocks)1:16
11.Something At The Bottom Of The Sea   (Part 4: (flatline...))3:41
12. Drift (original 'The lone ranger' single B-side)3:10
13.Captain Boogaloo (Mixing version)4:41
14.The Lone Ranger (Mixing and hit single version)3:19
15.Over Rio4:22
16.No American Starship4:52
http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=5418&content=review


Montag, 12. Januar 2015

VARIOUS ARTISTS: CELEBRATING JON LORD (CD/DVD/VINYL-SINGLES)

Jedes Jahr findet in London eine Benefizgala in der altehrwürdigen Royal-Albert_Hall statt. Die Tantiemen und Erlöse gingen dieses Jahr an die Sunflower Jam und die Jon Lord Fellowship zur Krebsforschung. Und damit haben wir schon den Namen, der in diesem Jahr - am 4.April 2014 also - im Mittelpunkt dieses Events stand: der 2012 und damit zu früh verstorbene Musiker Jon Lord.
Man muss es eigentlich nicht mehr erwähnen, aber der eine/andere jüngere Leser vermag mit dem Namen Jon Lord evtl. nicht gleich etwas anzufangen wissen. Er war in den mittleren 60er Jahren als Mitbegründer von DEEP PURPLE, eine der Rockbands, die den Rock maßgeblich mitprägten und auch öffneten für - vor allem - klassische Musik. Dies taten auch andere, aber er - Jon Lord - hatte 1969 mit dem CONCERTO FOR GROUP & ORCHESTRA ein Meilenstein gesetzt im Bemühen der Verschmelzung der beiden Musikrichtungen.
Leider ist an diesem 4.April 2014 davon nichts zu hören. Dafür gibt es Reminiszensen an den Komponisten auf der 1. CD, auf der sich seine kleineren Kompositionen für Orchester und Band finden, die er primär auf seinen Soloalben veröffentlichte. Paul Mann, der das ORION ORCHESTRA mit viel Einfühlungsvermögen und Energie durch die ganze Bandbreite des musikalischen Schaffens Lords leitet, ist für sich schon wg. dieser Leistung ein Winner des Abends. Er hatte auch 1999 das LSO geleitet, als das CONCERTO... nach vielen Jahren der Versenkung mit DEEP PURPLE wiederaufgeführt wurde.
Aus diesen Kompositionen stechen mit Sarabande, Bourrée und Fantasia die eher rhythmisch betonten Stücke hervor. Mit Pictured within gefällt auch ein sehr ruhiger Titel, nicht zuletzt, weil mit Miller Anderson ein Sänger sich des Titels annimmt, für den dieser in die Stimme geschrieben zu sein scheint. Gänsehaut lässt sich nur schwer vermeiden.
Die 2. CD widmet sich der Frühphase des rockmusikalischen Schaffens Lords. Einige Begleiter aus jener Zeit sind in die großartige Royal Albert Hall gekommen um ihrem Kollegen ihren musikalischen Respekt zu zollen. So Paul Weller, Micky Moody, Bernie Marsden, Glenn Hughes und Bruce Dickinson (was hatte der mit Lord zu tun?). Sie bringen einige eher unbekannte Titel zu Gehör. Bis auf Burn, das auch Rick Wakeman auf die Bühne lockt.
Die 3.CD der Box ist ganz seiner Stammband überlassen, der er, mit einer gewissen Auszeit, die Treue gehalten hatte. Die aktuelle DP-Besetzung beginnt mit 2 Titeln ihres letzten Albums Now what? um dann die Gassenhauer Lazy, When a blind man cries, Perfect Strangers und Black Night
abzufeiern. Mit der wiederum sehr effektiven Begleitung des Orchesters, das zeigt, dass ein Orchester doch rocken kann. Hervorzuheben ist das geniale Duell von Don Airey an der Orgel und dem Violinisten Stephen Bentley-Klein. Ein echtes Highlight in Lazy. Apropos Don Airey - ein Keyboarder, dem man die Spielfreude jede Sekunde anhört und auf der BluRay auch ansieht. Ein bisher verkannter Musiker?
Nach Black Night folgt dann als "Rausschmeißer" Hush, einem Covertitel (Original v. Joe South), mit dem DP 1968(!) der Durchbruch gelang. Hier geben sich alle versammelten Musiker nochmal final
die Kante und lassen es richtig rocken - im Stile des Jon Lord. Witzig kommt ein Yes-Zitat um die Ecke, das Rick Wakeman etwas merkwürdig interpretiert, als sei es ihm unangenehm. Nach dem 3. Versuch nimmt er es dann doch auf...Episode am Rande.
Dann feiert die ganze Royal Albert Hall und alle sind happy nach diesem rundum gelungenen Konzertabend, den alle einem zu verdanken haben: Jon Lord!
Die goldfarbene CELEBRATION-Box kommt mit einem T-Shirt, einem Notenblatt von Sarabande in Kopie, 2 Vinyl-Singles, 3 CDs und einer BluRay mit komplettem Konzertfilm & 60 Minuten Doku sehr aufwendig und geschmackvoll (keine Schals, Murmeln u.a,) daher. Für den Lord- und DEEP PURPLE-Fan sicher ein Muss.

http://jonlord.org/

Titel

The Composer
  1. Fantasia from Sarabande
  2. Durham Awakes from Durham Concerto
  3. All Those Years Ago (with Steve Balsamo and Micky Moody)
  4. Pictured Within (with Miller Anderson)
  5. Sarabande from Sarabande (with Rick Wakeman)
  6. One From The Meadow (with Margo Buchanan)
  7. Bourrée from Sarabande
  8. Afterwards (with Jeremy Irons and Paul Mann)
The Rock Legend
CD1
  1. Things Get Better (feat. Paul Weller)
  2. I Take What I Want (feat. Paul Weller and Micky Moody)
  3. Silas and Jerome (feat. Phil Campbell from The Temperance Movement, Ian Paice and Bernie Marsden)
  4. I’m Gonna Stop Drinking (feat. Phil Campbell from The Temperance Movement, Ian Paice and Bernie Marsden)
  5. Soldier of Fortune (feat. Steve Balsamo, Sandi Thom and Micky Moody)
  6. You Keep On Moving (feat. Glenn Hughes, Bruce Dickinson, Ian Paice, Don Airey and Micky Moody)
  7. Burn (feat. Glenn Hughes, Bruce Dickinson, Ian Paice, Don Airey and Rick Wakeman)
  8. This Time Around (feat. Glenn Hughes)
CD2 Deep Purple celebrating Jon Lord
  1. Uncommon Man
  2. Above And Beyond
  3. Lazy
  4. When A Blind Man Cries
  5. Perfect Strangers
  6. Black Night
  7. Hush (feat. Bruce Dickinson, Rick Wakeman, Phil Campbell, Bernie Marsden and Micky Moody)
BluRay mit allen Titeln + 60 Min.Doku

https://www.youtube.com/watch?v=wvhkdTtJIck

Mittwoch, 19. November 2014

KAUKASUS: I

Es gibt Musiken, die berühren. Jede/n, immer. Diese sind erfahrungsgemäß selten, weil jede Wahrnehmung subjektiv ist und folglich auch deren Wirkung.
Es gibt Musiken, die sind produziert um Wirkung zu erzielen. Welche Wirkung wird sogleich bei den drei Norwegern klar. Der Labelname Autumnsongs Records ist gleich zu setzen mit dem Stimmungsprogramm. Es geht in Richtung Melancholie, es ist grau, die Nebel wabern, Irrlichter sorgen für diffuses Licht.
Ein passendes Klangwerk zur aktuellen Jahreszeit also. Ebenso passend, dass die Klangerzeuger aus norwegischen Gefilden kommen und somit das Fachpersonal dafür ist, darzustellen, was  Dämmerung und Dunkelheit mit dem Menschen macht.
Nun, was hört man denn aus dem hohen Norden? Viel Klang, viel Soundgemälde mit den Farben, die das Instrumentarium, das man bedient, liefert. Flöten erzeugen die Irrlichter, Synthies und Mellotrone die Schatten und eine tiefe männliche Stimme den menschlichen Part.
Große Melodievielfalt und kompositorische Finesse(n) sucht man vergebens. Es wird diesbezüglich recht sparsam umgegangen. Durchaus geschickt wird das Instrumentarium zur Stimmungsmache eingesetzt. Sie beherrschen ihre Instrumente so weit, wie sie sie zur Ausgestaltung ihrer Soundgemälde brauchen. Rocken ist nicht so ihr Ding, obwohl Motorpsycho  geisterhaft im Nebel mitschwebt, allerdings im Zustand gleich einer Tranquilizer-Orgie. Ein gelegentlich krachendes Schlagzeug und ein heftiger Ausbruch in Titel 7, was den Hörer daran erinnert, dass er sich im Rockgefilde befindet.
Es ist schon seltsam, dieses Werk, verschlossen und nur gelegentlich die Nebel ein wenig aufbrechen lassend. Allerdings ist das Licht, das durchscheint, diffus und läßt die Schleier nur noch düsterer erscheinen.
Technisch und klanglich allerdings liegt ein hervorragendes Album vor, das musikalisch - melodisch Einiges vermissen lässt. Wer Steven Wilson's Ansatz mag und seine Leidenschaft für Melancholisches hegt, liegt hier richtig.

http://kaukasus.no/

Die Band:

Ketil Vestrum Einarsenflutes,tenor horn,hulusi,electric piano,saxxy,spektrals,EWI synthesizer
Rhys Marshvoices,electric guitar,acoustic piano,bass guitar,Fender Rhodes,Mellotron,drum machine,pedal steel guitar
Mattias Olssondrums,percussion,Mellotron,Orchestron,Moog Taurus,VCS3 & Mother modular system,baritone guitar,bass marimba

Titel:

1. 'The Ending Of The Open Sky' [5:34] 
2. 'Lift The Memory' [8:53] 
3. 'In The Stillness Of Time' [5:57] 
4. 'Starlit Motion' [5:21] 
5. 'Reptilian' [9:10] 
6. 'The Witness' [4:18] 
7. 'The Skies Give Meaning' [8:06]

Sonntag, 9. November 2014

CARAVAN: CARAVAN LIVE at RoSFEST GETTYSBURG USA (DVD)

Nach PARADISE FILTER hatte ich ein wenig Bedenken, ob des fortgeschrittenen Alters der Herren wegen das Liveevent so lebendig werden kann wie Livegigs in aller Regel eben ablaufen. Spätestens beim 2.Titel "HEADLOSS" sind diese Bedenken über Bord geworfen. Es wird von der Truppe relaxt, gekonnt mit britischem Understatement, dennoch selbstbewusst durch fast 46 Jahre CARAVAN-Musik geführt. Und das von Titel zu Titel mit großer Freude wie man den Gesichtern ansehen kann. Vor allem Drummer Mark Walker reißt von Anfang an mit und läßt keine Durchhänger aufkommen.
Pye Hastings' Stimme hört man das Alter schon an, was wenig wundert. Sie klingt auch in ihrer Reife angenehm und unaufdringlich. Geoff Richardson übernimmt auch immer mal wieder die Leadvocals. Nicht nur hiermit, sondern er überzeugt als Multiinstrumentalist an Löffeln(!), Flöte, Gitarre und Mandoline. Sein Violaspiel gehört mit zum Markenzeichen der Band.
Dieses Konzert belegt, dass die Viola mit ihrem dunkleren Klang besser in diese Art von Musik passt als die (verstärkt) grellere Violine. Warum dies nicht schon mehr Bands getestet haben, erschließt sich mir nicht. Aber dies nur am Rande.
Auffallend bei diesem Auftritt einer in die Jahre gekommenen Band ist, dass diese Würde ausstrahlt. Sie kommen ohne peinliches Kokettieren mit der schon lange vergangenen Jugend aus, wie man es bei anderen altvorderen Bands - leider - beobachten muss.
Die Titel der letzten Studioarbeit betten sich überraschend gut in das Repertoire der Band ein. Die "alten" Titel klingen frisch wie die "neuen" oder umgekehrt. Da gibt es keine Ausfälle. In "PARADISE FILTER" wird ähnlich frei von der Leber weg improvisiert wie in "GOLF GIRL"(inkl. geniales Löffelsolo von Geoff & Waschbrett!).
CARAVAN machen Musik und keine Show. Sie brauchen das Stargehabe, die Egotripps nicht um zu überzeugen. Sie musizieren mit Spaß und - ich sag' es nochmal, weil dieser Begriff im Rock so selten auftaucht - mit Würde. Das unterscheidet sie von jüngst auffällig gewordenen Urgesteinen, die es verpasst haben, den rechten Zeitpunkt des Absprungs von den Bühnen dieser Welt zu erwischen und so zwischen "Himmel und Erde" hängen.
Das diesjährige RoSFEST fand vom 2.- 4.Mai in Gettysburg/USA statt. Dabei waren solche illustren Gäste wie Subsignal, Beardfish, Clepsydra. Und eben CARAVAN als Dinos des Genres. Sie zeigen den Nachfahren, wie man einen lockeren, interessanten und unterhaltsamen Gig hinlegt.
Nach der leichten Entäuschung durch das letzte Studioalbum gelingt es ihnen mit diesem Liveauftritt, "verlorenes" Terrain wieder zurück zu gewinnen. Chapeau!

http://officialcaravan.co.uk/

Pye Hastingsg,voc,comp
Geoffrey Richardsong,viola,cello,mandolin,voc,fl
Jan Schelhaaskeys,voc
Jim Levertonb,voc
Mark Walkerdr,perc

Titel:
1.All this could be yours
2.Headloss
3.Land of Grey and Pink
4.Gol Girlf
5.Paradise Filter
6.Trust me I’m a doctor
7.Nightmare
8.Farewell my old friend
9.For Richard
10.This is what we are
11.Dead man walking
12.I’ll be there for you
13.Nine feet underground

Encore:
14.Memory lain Hugh
15.I’m on my way.

http://www.youtube.com/watch?v=i8wGQtf0Ng4
http://www.youtube.com/watch?v=Ob7EZeJfZv4

Sonntag, 26. Oktober 2014

FLYING COLORS: SECOND NATURE

FC 2.N - könnte fast ein Kürzel für ein Fußballclub sein. Ist aber nicht. Sondern die 2. CD der amerikanischen "Supergruppe", die sich aus den Progrockerpromis Neal Morse, Mike Portnoy (TRANSATLANTIC) und Steve Morse (DEEP PURPLE), Dave LaRue (DIXIE DREGS), Casey McPherson (ALPHA REV) zusammen gefunden hat
Nach dem Debut von 2012 liegt nun also die Zweite vor. Dass diese schwierig werden würde, war angesichts der Akteure nicht wirklich zu erwarten. Oder ist nach der schrecklichen Erfahrung mit Heaven & Earth (YES) etwa doch ein Absturz möglich? Nein, nicht mit diesen Profis. 
Die CD kommt in einem chiquen Digipac bzw. in Do-Vinyl in ebensolchem Klappcover. Schön anzuschauen und inspirierend für den Betrachter wurde das Outfit von Hugh Syme  ( bekannt durch seine Zusammenarbeit mit RUSH) sehr ästhetisch und ansprechend gestaltet.
Der Albumöffner "OPEN UP YOUR EYES" scheint die Richtung dieses Werkes vorzugeben. Von Anfang bis Ende ein Stück, das so klingt, als sei es für "TRANSATLANTIC", der Band von Portnoy/Morse, geschrieben. Was den Verdacht nährt, bei FC handele es sich um "TRANSATLANTIC light". Aber schon bei "MASK MACHINE" wird dieser als solcher entlarvt. Bei jedem folgenden Titel wird der Unterschied zwischen beiden Bands klar. Der Ansatz von FC geht stärker in Richtung Rock mit (Art-)Popausflügen. Auch "purpliger" Hardrock mit Kansas-Geige findet sich im Angebot (BOMBS AWAY). Beim Soloeinstieg der Gitarre glaubt man zunächst Blackmore sei zurück. Aber mit dem weiteren Fortgang entdeckt man doch mehr und mehr Morse'sche Kunst. Ein großer Retrorocktitel, der jeder DP-LP in den `70ern zur Ehre gereicht hätte.
Das folgende balladesk-hymnische "THE FURY OF MY LOVE" hat an die "FAB FOUR" erinnernde Melodiewendungen zu bieten ohne zu plagiieren.
Ein Midtemporocksong schließt sich mit "A PLACE IN YOUR WORLD" an, wie ihn nicht nur ein Neal Morse schreiben kann. Ein typisch amerikanischer Song eben. Geht ins Ohr, klingt nett. Da muss schon ein Steve Morse her um durch ein Solo die Chause aufzupeppen. Ein Schwachpunkt im Songreigen.
"LOST WITHOUT YOU" ist ein gefälliger Poprocksong mit schönem mehrstimmigem Refrain, dem Casey mit seiner beweglichen Stimme seinen Stempel aufdrücken kann. Apropos McPherson: mit diesem Album scheint er nun ganz in der Band angekommen zu sein. Denn seine Stimme kann man sich aus dem Gesamtsound der Band kaum mehr weghören. Wie täte FC klingen, wenn nur Neal singen würde? Ich verweise auf den Song zuvor...
"ONE LOVE FOREVER" beginnt mit folkiger Geige und entsprechendem akustischer Begleitung, um in einen veritablem Folkrocker mit Mitgröl - pardon- Mitsingrefrain einzubiegen. Wieder ist Steve's Solo ohne Makel und ein Stadionrockfinale beschließt die Gaudi. Dies ist durchaus ernst und positiv gemeint.
Dann wird's - Kontrast! - ruhig und besinnlich. Eine Hymne auf die Liebe, die uns in den "PEACEFUL HARBOR" bläst. Die Melodie geht wieder runter wie Öl, was für fast das ganze Album gilt, was wiederum von hoher Kompetenz der beteiligten Komponisten zeugt. Das Finale ist vielleicht zwangsläufug so bombastisch ausgefallen, wie es ausgefallen ist. Aber der Grenze zum Kitsch wird hier mit dem Gospelchor sehr nah gekommen. Ein schlichteres Ende wäre mehr gewesen.
Das  Finale Grande folgt mit "COSMIC SYMPHONY", ein Longsong (11:46), der in 3 klar unterscheidbare Teile nicht zerfällt, sondern sich  - teilt. Eben. Ein Donnergrollen, ein einfacher Drumrhythmus und ein ebensolches Keyboardriff eröffnet Part 1 "Still life of the world" um McPherson die Basis für seine Stimme zu bieten. Auch Dave LaRue darf seine Basskunst effektvoll und prägnant vorstellen. Part II "Searching for the air" bietet mehrstimmigen Gesang à la CS&N, unterstützt durch jazziges Keyboard. Hier darf auch Steve wieder in schon gewohnt kultivierter Weise solieren, bevor es in Part III "Pound for pound" seinen stimmungsvollen Höhepunkt findet.
Eine Hymne auf das menschliche Leben, die berührt und ein Album abschließt, das man nicht unterschätzen sollte in seiner Wirkung auf den Hörer. Es hat trotz Schwächen, Popnähe und Radiokompatibilität Tiefgang und Aussagekraft. Es wirkt nachhaltiger als sein Vorgänger. Davon kann sich der Hörer überzeugen.
Ein Album für den Freund anspruchsvoller, aber unterhaltsamer Rockmusik, der den Blick Richtung Prog richten möchte. Ganz,ganz dicke Empfehlung!

http://flyingcolorsmusic.com/home

Die Band:
Neal MorseKeyboards, Vocals
Steve MorseLead Guitar
Mike PortnoyDrums, Percussion
Casey McPhersonVocals, Rythm Guitar
Dave LaRueBass

Disc 1
1.Open Up Your Eyes12:24
2.Mask Machine6:07
3.Bombs Away5:02
4.The Fury Of My Love5:12
5.A Place In Your World6:32
6.Lost Without You4:40
7.One Love Forever7:21
8.Peaceful Harbor7:14
9.Cosmic Symphony
1. Still Life Of The World
2. Searching For The Air
3. Pound For Pound 
http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=14540&content=review