Sonntag, 9. November 2014

CARAVAN: CARAVAN LIVE at RoSFEST GETTYSBURG USA (DVD)

Nach PARADISE FILTER hatte ich ein wenig Bedenken, ob des fortgeschrittenen Alters der Herren wegen das Liveevent so lebendig werden kann wie Livegigs in aller Regel eben ablaufen. Spätestens beim 2.Titel "HEADLOSS" sind diese Bedenken über Bord geworfen. Es wird von der Truppe relaxt, gekonnt mit britischem Understatement, dennoch selbstbewusst durch fast 46 Jahre CARAVAN-Musik geführt. Und das von Titel zu Titel mit großer Freude wie man den Gesichtern ansehen kann. Vor allem Drummer Mark Walker reißt von Anfang an mit und läßt keine Durchhänger aufkommen.
Pye Hastings' Stimme hört man das Alter schon an, was wenig wundert. Sie klingt auch in ihrer Reife angenehm und unaufdringlich. Geoff Richardson übernimmt auch immer mal wieder die Leadvocals. Nicht nur hiermit, sondern er überzeugt als Multiinstrumentalist an Löffeln(!), Flöte, Gitarre und Mandoline. Sein Violaspiel gehört mit zum Markenzeichen der Band.
Dieses Konzert belegt, dass die Viola mit ihrem dunkleren Klang besser in diese Art von Musik passt als die (verstärkt) grellere Violine. Warum dies nicht schon mehr Bands getestet haben, erschließt sich mir nicht. Aber dies nur am Rande.
Auffallend bei diesem Auftritt einer in die Jahre gekommenen Band ist, dass diese Würde ausstrahlt. Sie kommen ohne peinliches Kokettieren mit der schon lange vergangenen Jugend aus, wie man es bei anderen altvorderen Bands - leider - beobachten muss.
Die Titel der letzten Studioarbeit betten sich überraschend gut in das Repertoire der Band ein. Die "alten" Titel klingen frisch wie die "neuen" oder umgekehrt. Da gibt es keine Ausfälle. In "PARADISE FILTER" wird ähnlich frei von der Leber weg improvisiert wie in "GOLF GIRL"(inkl. geniales Löffelsolo von Geoff & Waschbrett!).
CARAVAN machen Musik und keine Show. Sie brauchen das Stargehabe, die Egotripps nicht um zu überzeugen. Sie musizieren mit Spaß und - ich sag' es nochmal, weil dieser Begriff im Rock so selten auftaucht - mit Würde. Das unterscheidet sie von jüngst auffällig gewordenen Urgesteinen, die es verpasst haben, den rechten Zeitpunkt des Absprungs von den Bühnen dieser Welt zu erwischen und so zwischen "Himmel und Erde" hängen.
Das diesjährige RoSFEST fand vom 2.- 4.Mai in Gettysburg/USA statt. Dabei waren solche illustren Gäste wie Subsignal, Beardfish, Clepsydra. Und eben CARAVAN als Dinos des Genres. Sie zeigen den Nachfahren, wie man einen lockeren, interessanten und unterhaltsamen Gig hinlegt.
Nach der leichten Entäuschung durch das letzte Studioalbum gelingt es ihnen mit diesem Liveauftritt, "verlorenes" Terrain wieder zurück zu gewinnen. Chapeau!

http://officialcaravan.co.uk/

Pye Hastingsg,voc,comp
Geoffrey Richardsong,viola,cello,mandolin,voc,fl
Jan Schelhaaskeys,voc
Jim Levertonb,voc
Mark Walkerdr,perc

Titel:
1.All this could be yours
2.Headloss
3.Land of Grey and Pink
4.Gol Girlf
5.Paradise Filter
6.Trust me I’m a doctor
7.Nightmare
8.Farewell my old friend
9.For Richard
10.This is what we are
11.Dead man walking
12.I’ll be there for you
13.Nine feet underground

Encore:
14.Memory lain Hugh
15.I’m on my way.

http://www.youtube.com/watch?v=i8wGQtf0Ng4
http://www.youtube.com/watch?v=Ob7EZeJfZv4

Sonntag, 26. Oktober 2014

FLYING COLORS: SECOND NATURE

FC 2.N - könnte fast ein Kürzel für ein Fußballclub sein. Ist aber nicht. Sondern die 2. CD der amerikanischen "Supergruppe", die sich aus den Progrockerpromis Neal Morse, Mike Portnoy (TRANSATLANTIC) und Steve Morse (DEEP PURPLE), Dave LaRue (DIXIE DREGS), Casey McPherson (ALPHA REV) zusammen gefunden hat
Nach dem Debut von 2012 liegt nun also die Zweite vor. Dass diese schwierig werden würde, war angesichts der Akteure nicht wirklich zu erwarten. Oder ist nach der schrecklichen Erfahrung mit Heaven & Earth (YES) etwa doch ein Absturz möglich? Nein, nicht mit diesen Profis. 
Die CD kommt in einem chiquen Digipac bzw. in Do-Vinyl in ebensolchem Klappcover. Schön anzuschauen und inspirierend für den Betrachter wurde das Outfit von Hugh Syme  ( bekannt durch seine Zusammenarbeit mit RUSH) sehr ästhetisch und ansprechend gestaltet.
Der Albumöffner "OPEN UP YOUR EYES" scheint die Richtung dieses Werkes vorzugeben. Von Anfang bis Ende ein Stück, das so klingt, als sei es für "TRANSATLANTIC", der Band von Portnoy/Morse, geschrieben. Was den Verdacht nährt, bei FC handele es sich um "TRANSATLANTIC light". Aber schon bei "MASK MACHINE" wird dieser als solcher entlarvt. Bei jedem folgenden Titel wird der Unterschied zwischen beiden Bands klar. Der Ansatz von FC geht stärker in Richtung Rock mit (Art-)Popausflügen. Auch "purpliger" Hardrock mit Kansas-Geige findet sich im Angebot (BOMBS AWAY). Beim Soloeinstieg der Gitarre glaubt man zunächst Blackmore sei zurück. Aber mit dem weiteren Fortgang entdeckt man doch mehr und mehr Morse'sche Kunst. Ein großer Retrorocktitel, der jeder DP-LP in den `70ern zur Ehre gereicht hätte.
Das folgende balladesk-hymnische "THE FURY OF MY LOVE" hat an die "FAB FOUR" erinnernde Melodiewendungen zu bieten ohne zu plagiieren.
Ein Midtemporocksong schließt sich mit "A PLACE IN YOUR WORLD" an, wie ihn nicht nur ein Neal Morse schreiben kann. Ein typisch amerikanischer Song eben. Geht ins Ohr, klingt nett. Da muss schon ein Steve Morse her um durch ein Solo die Chause aufzupeppen. Ein Schwachpunkt im Songreigen.
"LOST WITHOUT YOU" ist ein gefälliger Poprocksong mit schönem mehrstimmigem Refrain, dem Casey mit seiner beweglichen Stimme seinen Stempel aufdrücken kann. Apropos McPherson: mit diesem Album scheint er nun ganz in der Band angekommen zu sein. Denn seine Stimme kann man sich aus dem Gesamtsound der Band kaum mehr weghören. Wie täte FC klingen, wenn nur Neal singen würde? Ich verweise auf den Song zuvor...
"ONE LOVE FOREVER" beginnt mit folkiger Geige und entsprechendem akustischer Begleitung, um in einen veritablem Folkrocker mit Mitgröl - pardon- Mitsingrefrain einzubiegen. Wieder ist Steve's Solo ohne Makel und ein Stadionrockfinale beschließt die Gaudi. Dies ist durchaus ernst und positiv gemeint.
Dann wird's - Kontrast! - ruhig und besinnlich. Eine Hymne auf die Liebe, die uns in den "PEACEFUL HARBOR" bläst. Die Melodie geht wieder runter wie Öl, was für fast das ganze Album gilt, was wiederum von hoher Kompetenz der beteiligten Komponisten zeugt. Das Finale ist vielleicht zwangsläufug so bombastisch ausgefallen, wie es ausgefallen ist. Aber der Grenze zum Kitsch wird hier mit dem Gospelchor sehr nah gekommen. Ein schlichteres Ende wäre mehr gewesen.
Das  Finale Grande folgt mit "COSMIC SYMPHONY", ein Longsong (11:46), der in 3 klar unterscheidbare Teile nicht zerfällt, sondern sich  - teilt. Eben. Ein Donnergrollen, ein einfacher Drumrhythmus und ein ebensolches Keyboardriff eröffnet Part 1 "Still life of the world" um McPherson die Basis für seine Stimme zu bieten. Auch Dave LaRue darf seine Basskunst effektvoll und prägnant vorstellen. Part II "Searching for the air" bietet mehrstimmigen Gesang à la CS&N, unterstützt durch jazziges Keyboard. Hier darf auch Steve wieder in schon gewohnt kultivierter Weise solieren, bevor es in Part III "Pound for pound" seinen stimmungsvollen Höhepunkt findet.
Eine Hymne auf das menschliche Leben, die berührt und ein Album abschließt, das man nicht unterschätzen sollte in seiner Wirkung auf den Hörer. Es hat trotz Schwächen, Popnähe und Radiokompatibilität Tiefgang und Aussagekraft. Es wirkt nachhaltiger als sein Vorgänger. Davon kann sich der Hörer überzeugen.
Ein Album für den Freund anspruchsvoller, aber unterhaltsamer Rockmusik, der den Blick Richtung Prog richten möchte. Ganz,ganz dicke Empfehlung!

http://flyingcolorsmusic.com/home

Die Band:
Neal MorseKeyboards, Vocals
Steve MorseLead Guitar
Mike PortnoyDrums, Percussion
Casey McPhersonVocals, Rythm Guitar
Dave LaRueBass

Disc 1
1.Open Up Your Eyes12:24
2.Mask Machine6:07
3.Bombs Away5:02
4.The Fury Of My Love5:12
5.A Place In Your World6:32
6.Lost Without You4:40
7.One Love Forever7:21
8.Peaceful Harbor7:14
9.Cosmic Symphony
1. Still Life Of The World
2. Searching For The Air
3. Pound For Pound 
http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=14540&content=review

Dienstag, 23. September 2014

ROBERT REED: SANCTUARY

Robert wer? wird sich manche/r fragen, der/die glaubt, das Genre einigermaßen zu kennen. Und dann hört er/sie sich mal ein, was dieser Musikus zu bieten hat. Man wird sich zuerst die Ohren reiben, nochmals die Hülle bzw. das Booklet sich vornehmen, lesen - und nochmals lesen...und sich wundern. Neee, von Mike Oldfield steht nix drauf, null, nada, niente, kein Oldfield bei. Mhmmhmmmm, wie kommt trotzdem Oldfield drauf, auf diese CD? Denn diese Mucke ist Oldfield - oder doch nicht?
 Rob Reed (Magenta; Cyan, Kompendium) versteht es perfectemente, aus den Zutaten eines MO und mit dem Talent des Multiinstrumentalisten eine Nicht-Kopie zu komponieren. Das macht er dergestalt, dass er immer am Plagiat so knapp vorbeischramm(el)t, dass es dem kundigen Hörer einen Heidenspass macht. O.k., er hatte Unterstützung von Tom Newman und Simon Heyworth, die dunnemals beim Original "Tubular Bells" auch schon mitgemischt hatten.

Als Beleg für den Spaßfaktor verweise ich auf die Passage ab Minute 13:14 mit der typischen Bassfigur beginnend, dem  Ohrwurmchor, anschließendem Holzschuhtanz inklusive 80er-Discobass bis zum Xylophonmotiv plus Chorhymne, getoppt durch die Jubelgitarre. Das ist einfach grandios! Wer da keine Gänsehaut bekommt...

Reed bleibt aber nicht in den  "Tubular Bells" hängen, sondern nimmt sich auch aus der Zutatenliste bis zu "Incantations" das, was auch Hr.Altfeld benutzt hat. Deutlich wird dies besonders in Part2. Darin gibt es auch Anklänge an "Platinum" und "QE2". Im Gegensatz zu Oldfields TB 1 fällt Reed's "Part2"  nicht ab, sondern hält das hohe Niveau des ersten Teils und klingt herrlich akustisch aus. Man bleibt zurück mit dem Gefühl bzw. mit der Ahnung: "Ja, so ist DAS!"

Das ganze Werk ist so fein komponiert und austariert, dass dem Harmoniesuchenden nur die Repeattaste bleibt. Oder zufrieden spazieren geht (keinen Klettersteig!), den Vögeln nachschaut, die Wolken zählt etc.

Schön, dass Hr.Reed den Mut hatte, dies so zu veröffentlichen. Gibt es irgendwelche Äußerungen hierzu von Mr.Oldfield? Man hört nix, liest nix, also alles o.k.

http://tmr-web.co.uk/robreedsancturay/Blank.html

Robert ReedGrand Piano, Electric Guitars, Acoustic Guitar, Nylon Guitar, 12 String Guitar, Bass Guitar, Mandolin, Glockenspiel, Vibraphone, Marimba, Timpani, Gran Cassa, Recorders, Solina String Ensemble, Roland Sh200, Farfisa Organ, Sleigh Bells, Orchestral Sn

1.Part I20:41
2.Part II18:09

http://babyblaue-seiten.de/album_14386.html#22929

Sonntag, 31. August 2014

UTOPIANISTI:II

Ja,was ist DAS denn? BrassProg? Gibt es das nicht schon?

 Es dämmert dem Altvorderen, dem Post68er. Da gab's seinerzeit eine Band, die nannte sich "Mothers of Invention" und deren Boss hieß Frank Zappa. Das ist die eine Quelle, aus der der Finne Markus Pajakkala seine Inspiration zieht. Dazu gesellt sich als weiteren Impuls aus fernen Zeiten ein gewisser Alexis Korner, der mit seinem Projekt CCS Ähnliches versuchte, nur bodenständiger,bluesiger. Man höre nur das vorliegende "Spanking time": CCS-typischer geht's fast nicht. Selbst die Stimme des Herrn Korner ist sowas von geil  nachempfunden....

 Das sind die Urquellen, aus denen der Finne schöpft.

Dazu mixt er gekonntes Opernmetalgeknödel mit Gejazze, schräges Tangogeschiebe auf der imaginierten Opernbühne und Orgelvolldröhnung, dass es eine wahre Freude ist. Der Beelzebub im tiefen Selbst des ach so zeitgeistigen Gutmenschen hat endlich mal wieder was zu feiern!

Zum Ablauf und Inhalt des Gebotenen hat Kollege Nik schon das Wesentliche trefflichst herausgearbeitet (http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=14425). Diesem ist nicht viel hinzuzufügen, außer dass es ab dem Titel 9 "The sundays..." bis zum Titel Nr.12 "Derelicts...". - dem Teil, der ursprünglich als EP veröffentlicht wurde/werden sollte(?) - mir doch zu puritanisch jazzig wird. Da klappen die Ohren irgendwann zu bzw. der Finger zuckt in Richtung NEXT-Taste auf der Fernbedienung. Aber das ist rein subjektiv empfunden. Der Jazzaffine wird diese Passage mit Wonnen genießen - denk' ich mal.

Richtig fetzig-schräg wird's zum Ende mit dem als Bonustrack bezeichneten "U.L.J.C.", das auch wieder passagenweise leicht an CCS erinnert. Aufgepeppt mit Tiergeräuschen an überraschenden Stellen, kurzen "Wort"beiträgen, in denen verschiedenen Instrumenten(gruppen?) ehemalige Kriegsparteien zugeordnet werden, sorgen für skurile Momente ohne dem musikalischen Feuerwerk, das hier nochmals abgebrannt wird, irgendwie zu schaden.

Von Nr 1 - Nr. 8 ist das Gebotene feinstschräger BrassProgJazzRock mit Bestoftheyear-Potenzial. Mit dem Jazzpart (9-12) hat der Rezensent sein Problem, aber die 13 reißt's Ruder nochmal herum in Richtung Mehrvon.

Das Album kann hier: http://utopianisti.bandcamp.com/album/utopianisti-ii-utopianisti-meets-black-motor-jon-ballantyne gehört und geordert werden.

 Die Band:
Markus Pajakkaladrums, percussion, soprano- tenor & baritone saxophones, flute & alto flute, bass clarinet, mellotron, various ethnic instruments, programming (only in 2, 6 & 13!!), additional keyboards & vibraphone

Gastmusiker

Jaan Wessmanelectric bass (1, 3, 5, 6, 8)
Ville Rauhalaupright bass (4, 7, 9-12 + 13)
Mika Tyyskäguitar (1)
Antero Mentuguitar (3, 5, 6, 8 right channel, 13), sitar (13)
Anssi Salminenguitar (7, 8 left channel, 13)
Juha Savelaguitar (4)
Kalle Elkomaaorgan (1, 3, 5), electric piano (3)
Tuomas Marttilamarimba (4), vibraphone (3, 6), congas (3)
Harri Kuusijärviaccordion (4, 7)
Tero Hyväluomafiddle (7)
Waltteri Torikkavocals (2, 4)
Suvi Väyrynenvocals (2)
Pharaoh Pirttikangasvocals (8)
Tommi Kolunentrumpet (1, 3, 6, 8)
Olli "Trumpenator" Helintrumpet (1, 3, 6, 8)
Jussi Toivonentrumpet (1, 3, 6, 8)
Antti Hirvonentrombone (1, 3, 6, 8)
Petri Juutilainentrombone (1, 3, 6, 8)
Ulla Ahonentrombone (1, 3, 6, 8)
Aulis Pöyhönenbass trombone (1, 3, 6, 8)
Kasper Haikonenalto sax (1, 3, 6, 8)
Masa Orpanaalto sax (1, 3, 6, 8)
Petri Nieminentenor sax (1, 3, 6, 8)
Maiju Virtanentenor sax (1, 3, 6, 8)
Jon Ballantyneelectric & grand piano (tracks 9-12 + 13)
Sami Sippolatenor saxophone (tracks 9-12 + 13)
Simo Laihonendrums (tracks 9-12 + 13)

Titel:
1.Mekonium fist   (Utopianisti II)3:51
2.The Vultures were hungry   (Utopianisti II)2:56
3.Pohjola   (Utopianisti II)8:09
4.Tango Succubus pt. 2   (Utopianisti II)5:10
5.The Forest of the Bald Witch   (Utopianisti II)6:47
6.Bisphenol A   (Utopianisti II)4:11
7.Kynttilöitäkin vain yksi   (Utopianisti II)6:16
8.Spanking time   (Utopianisti II)6:01
9.The Sundays of love and peace   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)5:14
10.Mechanoid makeout music   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)4:53
11.Too many eyeholes   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)4:07
12.Derelicts in space   (Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)11:35
13.U.L.J.C. (The Unnecessary Leftover Jam Compilation)   (Utopianisti II/Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne)9:38

DAAU (DIE ANARCHISTISCHE ABENDUNTERHALTUNG):TUB GURNARD GOODNESS

DAAU ist die Abkürzung für eine Band, die sich vollständig DIE ANARCHISTISCHE ABENDUNTERHALTUNG nennt. Die Inspiration für diesen ungewöhnlichen Bandnamen holten sich die Gründer bei Hermann Hesses "Steppenwolf":

"Im Licht der nächsten Laterne versuchte ich seine Standarte zu lesen, sein rotes Plakat an der Stange, aber es schwankte hin und her, ich konnte nichts entziffern. Da rief ich ihn an und bat ihn, mir das Plakat zu zeigen. Er blieb stehen und hielt seine Stange etwas gerader, da konnte ich tanzende, taumelnde Buchstaben lesen:
Anarchistische Abendunterhaltung!
Magisches Theater!Eintritt nicht für jed..."
"Hermann Hesse: Der Steppenwolf. In: Hermann Hesse: Die großen Romane und Erzählungen. Frankfurt 1985. S.44"

 Wenn man nun aus dem Bandnamen auf eine deutsche Band tippt, dann liegt man falsch. DAAU sind Belgier aus Antwerpen und wurden 1992 gegründet. Sie ist auch keine typische Rockband mit E-Gitarre(n), Bass,Schlagzeug evtl.Keyboard(s) etc.. Sie spielt Instrumente, die nicht typischer Weise eine Rockband auszeichnen. Ihr Hauptinstrumentarium besteht aus Akkordeon, Violoncello, Violine und Klarinette. Und entsprechend klingt auch ihre Tonwelt. Der Sammelbegriff Fusion trifft am ehesten das, was sie zu Gehör bringt.. Sie verschmelzen Salonmusik mit Klassik,Folk und Klezmer. Auch Reggae kommt vor. Unterstützt werden sie bei Bedarf durch eine Sängerin, Schlagzeug/Percussion und E-Baß.

Bemerkenswert ist, dass es keine Dominante in ihrem Instrumentarium gibt. Die Führung in den Motiven und Melodien wechselt immer wieder. Mal sorgen die beiden Streicher für das rhythmische Fundament und Akkordeon/Klarinette lassen sich in den Melodien und Improvisationen gehen -  und umgekehrt. Lautmalerisches wechselt mit Lied, 2 Reggaes werden von einer Gastsängerin sehr einnehmend vorgetragen. Hier in "A funny little feeling" - und später in " In my midnight skies" -  stimmt auch die Struktur ganz mit den Konventionen überein im Gegensatz zu 10 von den 12 Stücken des Albums. Was aber nicht heißt, dass der Rest im Chaos versingt. Im Gegenteil sind die 10 Titel wohl strukturiert und gut zu hören. Es ist dieses Spiel mit den Wechseln in der Stimmführung, was den Hörer einnimmt.Auch die gelegentliche Attacke setzt immer wieder Spannungsmomente.

Ein Covertitel ist auch dabei. Man hat sich für "2+2=5" von RADIOHEAD  entschieden und in "Of  r*d*h*d" umbenannt. Da ich das Original nicht kenne, kann ich zur Art der Interpretation wenig aussagen. Außer, dass ich diese Interpretation für interessanter halte als alles, was ich von RADIOHEAD bis dato gehört habe (OK.Computer/ Kid A - wonach diese Band als Superlangweiler aus meinem Interessenfeld gestrichen wurde).

DAAU gelingt es mit dieser CD, das Gehör des Rockkonsumenten für andere Klänge zu interessieren und leisten damit einen Beitrag zur Horizonterweiterung. Mit jedem Hördurchgang kann man neue Details entdecken, wenn es den manchesmal etwas aufdringlichen Klezmersound der Klarinette zu umschiffen gelingt.

http://www.daau.com/

Die Band:

Simon Lenski                              Violoncello
Buni Lenski                                 Violin
Han Stubbe                                 Klarinette
Raul van Camp                           Akkordeon

Gäste:
Angelique Willkie                        voc
Roel Poriau                                 dr
Mirko Banovic                            b

Titel

1. My Goodness! Poetry (7:19)
2. Off the Record (5:30)
3. Is This It? (2:26) 
4. Raw Like Milk (5:13) 
5. The Guts (4:50) 
6. Of R*D*H*D (2+2=5) (3:34)
7. A Funny Little Feeling (3:54)
8. Catfish Blues (1:54) 
9. A Shortcut to the Edge (3:18)
10. Even More Lost Souls (2:57) 
11. In My Midnight Skies (6:16) 
12. Two Fast Dreams (5:10)

Sonntag, 3. August 2014

THREE MONKS: THE LEGEND OF THE HOLY CIRCLE

Da sind sie wieder, die 3(4) Mönche aus Italien:: "Julius" Paolo Lazzeri, der Derwisch an den Keyboards, "Bozorius" Maurizio Bozzi am Bass und die 2 Schlagwerker "Ursinius" und "Placdus". Wobei in den Stücken jeder als Einzelkünstler ran darf.

Was hat sich getan seit dem Debut NEOGOTHIC PROGRESSIVE TOCCATAS"?
Der Synthie tritt stärker in den Vordergrund. Die Sounds lehnen sich stärker an die Vorlage ELP an. Gleich im Opener "THE HOLY CIRCLE" wird dies sehr deutlich.
Auch die Motivik erinnert stark an K.Emersons Kompositionsweise(n).Die imaginisierte Kathedrale aus dem Debut kann man nur mehr erahnen.

Mit einem trägen Walkingbass eröffnet "INTO MYSTERY". Auch hier übernimmt mächtiger Synthieeinsatz in gewohnter Manier. Die Orgel improvisiert neoklassisch abwechselnd mit dem Synthie. DasWalkingmotiv des Bass trägt das Stück bis zum Ende - mystisch, aber nicht zu arg.

"THE BATTLE OF MARDUK" schließt direkt an den Erstling an und hätte auf "NEOGOTHIC...." eine gute Figur gemacht. Farbtupfer bringen die glockigen Töne ins Geschehen, schön begleitet von Bass und von Ferne klingender Orgel. Danach wird das Tempo und die Energie erhöht bei einem jazzigen Impromptu, das sich zu einem Progstück für Orgeltrio auswächst mit pompösem Finale.

Dann kommt mein Lieblingsstück auf diesem Album. Ich will es das "Lied ohne Worte" nennen in Anlehnung an Mendelssohns Klavierwerk. Hier für Orgel solo komponiert erinnert es an die Motive mancher PROCOL HARUM- Komposition."THE REST OF THE SACRED SWARM" ist für mich das Highlight des Albums und leider nach 4:47 schon zu Ende! Ein starkes, weil auch schlichtes Stück.

Der Walkingbass des 2. Stückes erlebt in höherem Tempo seine Rückkehr beim Intro von "RIEGER". Die Orgel übernimmt mit Drums mächtig das Verfahren, der Synthie mischt sich in den Vordergrund. Viel mehr als in den Titeln 1-3 passiert nicht. Der Midtempodrive bleibt erhalten, der Synthie steht mit der Orgel side-by-side. Mit diesem Titel wird wohl die Rieger Orgelbau in Österreich gemeint sein, die seit 1845 Orgeln für die ganze Welt baut.

Mit dem Beginn von "THE STRIFE OF SOULS"  übernimmt K.Emerson die Regie in der Inkarnation Lazzeris. Typischer geht's wohl nicht, was die Anleihen betreffen. Auch der ruhige Teil erinnert an ELPs Umsetzung von "The great gates of Kiev". Das ganze Stück ist eine  gelungene Verneigung vor den Progurgesteinen.

Den Abschluss bildet "TOCCATA NEOGOTICA N.5", bei der man die Rückkehr in die Kathedrale des Debutalbums feiern kann. Hier entsteht nochmals dessen Erhabenheit, auch weil der Synthie außen vor bleibt und nur gegen Ende das begleitende Geglöckel ein wenig mehr Licht in die kathedralische Schattenwürfe bringt.

Das 2. Album der Mönche versucht, einen etwas anderen Akzent zu setzen durch die stärkere Verwendung des Synthesizers. Diese Stücke wirken verspielter und folglich weniger stringend als die "reinen" Orgelstücke des Debuts. Nun wäre es spannend zu hören, wie sie denn das 3. Werk angehen wollen. Aber wie es scheint, gibt es in diesem Projekt zur Zeit wenig Leben.

Die Band

 Paolo Lazzeri                              pipe organ, composition
 Maurizio Bozzi                             bass, sound engineer
  Roberto Bichi                             drums(3,6,7)
  Claudio Cuseri                          dr (1,2,5)


Titelliste:

1. The Holy Circle - 7:48
2. Int Mystery - 5:58
3. The Battle of Marduk - 4:48
4. The Rest of the Sacred Swarm - 9:53
5. Rieger - 5:09
6. The Strife of Souls - 10:01
7. Toccata Neogotica n5 - 9:43

http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=14051