Dienstag, 12. November 2013

TRAUMPFAD: TRAUMPFAD

Jetzt ist Regionalisierung wieder angesagt, d.h. politisch "korrekt": weg von europäischer Großmannssucht, von globaler Gleichmacherei in großem Stil. Die Regionen sollen stärker mit ihren Kulturen in den Fokus rücken. Da soll(te) der Progressive Rock keine Ausnahme machen, dachte sich jemand.
Was hat das mit dieser Seite im Allgemeinen und mit TRAUMPFAD im Speziellen zu tun, fragt sich der geduldige Leser. Womit? Mit Recht.
Hierzu soll kurz zurückgeblendet werden auf die Rezis von ESTHETIC PALE: EP ist eine Band aus der Pfalz, ihr Zentrum Neustadt/Wstr. und damit nur etwa 5 km von meinem derzeitigen Wohnort entfernt. (Ahaaa! - Lokalpatriot, was?! - Jaou!) Allerdings tragen sie ihre Texte in Englisch vor. (Der) TRAUMPFAD jedoch singt(?) in Deutsch(!) und wohnt nicht in der Pfalz, sondern schlängelt sich durch Bayern. Manch Rockjünger(in) wird sich fragen, ob deutsche Texte und (Prog)-Rock denn gut gehen kann. Nach 2- 3 Hördurchgängen darf ich feststellen, es geht recht gut. Das Vorurteil, deutscher Text im Rock sei holprig oder (zu) kantig kann ich nicht wirklich nachvollziehen.
Aber nun zur Platte - ähh -  CD. Auffällig zunächst ist die Aufmachung der Veröffentlichung . Die CD erscheint - 2003 - in einem stabilen Kartonhardcover, die CD auf dem Mittelteil mittels eines Schaumgummirings festgehalten und das Klappteil hält ein Klettverschluss zusammen. Sehr schön gestaltet von Marko Effenberger (der auch noch im "Nebenjob" die Gitarre bedient und komponiert!) und nachhaltig konzipiert. Dafür schon mal ein Bonuspunkt.
Und weitere Bonuspunkte sammelt die CD mit jedem weiteren Hördurchgang. Das liegt mehr an der instrumentalen Musik als an den Texten. Diese sind zwar recht sinnvoll, berühren Lebensfragen und sind akustisch verständlich von Flo Huber vorgetragen. Aber diese seine eigene Art stellt eine Hürde dar, um mich rundum mit dem Gebotenen zu verbinden. Es ist eine Mischung aus monotonem Sprechgesang und Rezitation. Ausnahme bildet ein gelegentlich eingestreutes "lololooooo...",das durchaus etwas weniger starr ankommt. Die Gesangsmelodien bewegen sich in einem engen Range, es findet keine große Bewegung statt. Keine Ahnung, ob Hr. Huber über keinen größeren Tonumfang verfügt oder die Kompositionen so gewollt wurden. Also "nuancenreich" kann ich die Stimme nicht finden wie andere Rezensenten gehört haben wollen. Schade eigentlich, weil instrumental die Musiker einen sehr beweglichen und kraftvollen Schub in die Angelegenheit bringen. Es wird retrogeprogt ("Epoché"), auch hardgerockt ("Der Baum"), aweng gejazzt (Pianoimpro in "Gefühle"), ein kleines Orgel-versus-Gitarre-Duell gibt es in "Gnade für das Menschenvolk" (Ausgang: Remis). leicht schwebend "Papa Peyotes Tanz" mir filigranem Schlagzeugspiel. Anschließend folgt mein derzeitiger Favorit  mit "Der Pfad". Ein Rocker mit knackigem Refrain und - welch Überraschung - mit stimmlicher Verstärkung: Anja Lang unterstützt mit ihrer bluesigen Rockstimme (erinnert an Julia Neigel!) den doch hier klar unterlegenen Flo. Ich hätte mir mehr von ihr gewünscht. Abwechlungsreich dann "Weit weg", in dem nochmal die prägenden Elemente, wie Keyboard-,Gitarrensoli, sehr präsentes und präzises Schlagzeugspiel dieses Erstlings zusammengetragen wurden.
Als sog. Bonustitel bildet "Glü(i)cklich" den Abschluss. Funkig beginnend entwickelt sich über einen 3/4-Takt ein veritabler Rocktitel. Ein schönes Finale einer - ich sagmal - gut hörbaren Progrockplatte mit deutschen Texten. Sie hat noch Potenzial nach oben, wenn sie öfter läuft auf meinen Playern. Immerhin handelt es sich hierbei um ein Debut, das hohe Erwartungen auf Kommendes dieser Truppe weckt.
Ein kleiner Kritikpunkt noch: es wurden auf der Innenseite des Klappcovers die Texte nur ausschnittsweise abgedruckt und in fast unleserlicher Dünnschrift. Aber vlt. ist das jetzt Dippelschisserei...sorry.

Anspieltipp: Der Pfad (Anjas Stimme!); Weit weg;  auch Glü(i)cklich

 Erhältlich ist das Werk direkt bei : http://www.traumpfad.info (z.Zt. leider ausverkauft)

 Die Band:
 Andreas Brandl             Schlagzeug
 Marko Effenberger        Gitarre/Komposition
 Jonny Foggetter             Bass/Komp.
 Flo Huber                      Gesang
 Matthias Unterhuber      Keys/Piano/Komp.

Titel:
1.Intro1:31
2.Epoché9:30
3.Der Baum7:01
4.Gefühle8:50
5.Der jüngste Traum4:26
6.Gnade für das Menschenvolk6:29
7.Papa Peyotes Tanz10:08
8.Der Pfad4:57
9.Weit weg6:34
10.Glü(i)cklich   (Bonustrack)4:25

http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=5368&content=review


Sonntag, 27. Oktober 2013

ESTHETIC PALE: LONG FORGOTTEN WORDS

Im Jahre 2005 erschien dieses Werk als Nummer 4 in der Diskographie der pfälzer Progband. Was hatte sich getan seit  " Hope", dem Vorgänger? Nun, es gab einen Wechsel in den Vocals: Claudia Speicher löste Melanie Auer ab. Und ob es sich bei Katrin Litty um dieselbe Katarina Nonhebel wie auf dem Vorgänger, nur nach Familienstandsänderung, handelt, mag der Interessierte nachforschen.. Im Instrumentarium und den es Bedienenden blieb es wie bei "Hope".
Auch keine Änderung am Stilkonzept der Band ist zu konstatieren. Es wird (Neo?-,Retro?-) Prog geboten, angereichert mit 2-stimmigem weiblichem Satzgesang. Gerade diese Vocals prägen das Klangbild der Truppe ungemein. Mir gefällt das sehr. Die Kompositionen sind moderat komplex, für den aufmerksamen Hörer gut zu goutieren. Allerdings so komponiert, dass ein Nebenbeihören an Energieverschwendung grenzt.
 Kein wildes Gefrickel, keine Aggressionen stört den Fluss des musikalischen Geschehens. Der Eine/Andere mag der Band vorwerfen, dass sie allzu sehr auf "Gutmensch" setzen.  Es gibt jedenfalls wieder Melodie und Harmonie satt ohne Plattheiten. Da auf diesem Planeten Stress zuhauf zu beobachten ist, tut eine solche musikalische (Ruhe-)Insel der Hörerseele durchaus gut.
Also kein Unterschied zum Vorgänger? Nach 3-4 Hördurchgängen stelle ich fest, dass die Aufnahmen runder, klarer, exakter klingen als beim Vorgänger. Man hat sich wohl mehr Zeit gelassen beim Recording/ Mixing.
 Einen Favoriten habe ich, den ich nicht unterschlagen möchte, der das Ende und den Höhepunkt der CD bildet. "Ophelia's last word" ist textlich in Teilen Shakespear's "Hamlet" entliehen und musikalisch sensibel gestaltet mit dem einen/anderen Soundszitat aus den '70ern des letzten Jahrhunderts. Ein starkes Stück.

 Wieder eine runde Scheibe aus der Pfalz, bodenständig, dabei nicht anspruchslos . Ein schönes Stück Mucke.

Besetzung:

Katrin Litty                                 voc
Claudia Speicher                         voc
 Matthias Ibelshäuser                   git,composition
 Claus Peter Fuhrmann                 keyb
 Joachim Habernoll                      dr
 Andreas Vöhringer                      b

Titel:
1. Phonecall 4am                             12:02
2. J.C.                                              10:19
3. God's Notion                                 5:40
4. As far as I can tell                          1:48
5. Frozen Phoenix                            10:43
6. Ophelia's last word                         9:11

http://www.estheticpale.de


ESTHETIC PALE: HOPE

ESTETIC PALE ist eine Rockband aus der Provinz, mit Verlaub "Provinz", weil die Pfalz im Bereich "Progressive" eher nicht auf der Landkarte zu finden ist. Nicht zuletzt deshalb ist schon der Mut der Band, seit 1992 bis heute - 2013 -  diesen Abschnitt des Rock zu beackern, sehr zu würdigen. Von der Gründungsformation sind bis dato J.Habernoll (dr) und Gitarist  Matthias Ibelshäuser dabei. Wobei Letzterer der Hauptkompositeur der Truppe ist und so den Stil der Band "grundiert".

"Hope", die 3. CD, erschien 2000. Damals bildeten Melanie Auer und Katarina Nonhebel den 2-stimmigen Satzgesang, was in diesem Genre ein selten zu findendes Stilelement darstellt. Dazu bedient Claus-Peter Fuhrmann die Keyboards, Joachim Habernoll die Drums, wie erwähnt M.Ibelshäuser die Gitarre und Andreas Vöhringer den E-Bass.
Wie dem Booklet zu entnehmen ist, wurde dieses Werk innert 5 Tagen aufgenommen und in 5 Tagen abgemischt. Also ein Schnellschuss? Nach meinen Eindrücken ein klares Nein. Es klingt nach mehreren Hörsitzungen noch immer frisch und unverbraucht, was an den Kompositionen und auch dem 2-stimmigen Satzgesang liegt, von dem man sich bei ihrem aktuellen Werk "Shelter from the storm" leider ein Stück weit entfernt hat. Es ging ein prägendes Stilelement verloren.
 In 6 Longtracks mit Spielzeiten zwischen ca. 7 - maximal 14 Minuten entwerfen sie ein unterhaltsames Klanguniversum, das sich an den 1970ern orientiert ohne zu kopieren. Ohne klangliche Experimente wie Dissonanzen oder metallische Exkursionen warten sie mit Melodien en masse auf. Es wird gerockt, durchaus mal krummtaktig und komplex. Der (das?) Break feiert zwar keine Urstände,  ist aber standesgemäß gut vertreten. Geschmackvolle Soli von Gitarre und Keys werden effektvoll eingestreut  Es gibt Anleihen aus dem Mittelalter ("Laura") und Folk ("Hope"). Die Grundstimmung ist positiv ohne plattes Wir-haben-uns-alle-lieb-Getue. Prog kann durchaus hell und licht klingen um dennoch zuzupacken ("Lifetime"). Schön immer wieder die 2 Stimmen parallel in raffinierten Melodielinien zu hören ("Lifetime","Summer"). Nettes Gimmick am Schluss von "Laura", ein kurzes Glockenspiel...
Wie ich finde, ein schönes Album für den anspruchsvollen Rockhörer, der abseits des Mainstream anregende, aber keine aufdringliche Musik sucht. Ein rundes Werk einer Band, die ihren Weg geht.

Besetzung: siehe Text

Titel:
 1. The Seeds                                              14:49
 2. The Ivory Tower                                      6:56
 3. See you there                                           8:35
 4. Lifetime                                                  13:46
 5. Summer                                                    9:49
 6. Hope                                                        1:53
 7. Laura                                                      13:54

http://www.estheticpale.de

http://www.youtube.com/watch?v=eH-W-Tp7fqA

Mittwoch, 18. September 2013

ESTHETIC PALE: SHELTER FROM THE STORM

Nachdem die internationale Progszene schon durch einige Vetreter hier ihre Spuren hinterlassen hat, wende ich mich nun der deutschen Progseite zu, denn die gibt es auch . Und zwar recht bunt und  - sorry - recht "alt". Deutsche Bands mischten auch schon Ende der '60er Anfang '70er im Gebiet des anspruchsvollen Rock mit, wenn sie auch dem in England "erfundenen" Krautrock zugeordnet wurden/werden. Zu nennen wären AMON DÜÜL I/II, POPOL VUH, GURU GURU, CAN etc.
 Was hat dies mit ESTHETIC PALE zu tun, fragt sich der Leser? Nun, sie tun das, was die Altvorderen auch schon taten.. Ich zitiere B.Halbscheffel, Zitat:" Der Fortschritt in der Rockmusik, die Progression, besteht also aus der immer neuen, freien Kombination des Vorhandenen, des Bekannten. " - Zitatende. (Quelle: B.Halbscheffel - Progressive Rock -Halbscheffelverlag 2012, S.617)
In diesem Sinne findet man in diesem Werk der Pfälzer Elemente des Rock vornehmlich aus den '70ern. Unter der maßgeblichen Federführung von Matthias Ibelshäuser (g), der sich als Kompositeur im eigentlichen Sinne zu vertehen scheint, werden diese Elemente in ein für die gesamte Band stimmiges Konzept gegossen und dem "Zeitgeist" - was immer das auch ist - hier "Retro", angeglichen. Es wird nicht zitiert o. plagiiert, sondern zum Eigenen gemacht. Harmonie ist wichtig, Melodie, getragen von der kraftvollen Stimme Claudia Speichers, ohne die Komplexität, die Progrock nun mal ausmacht, zu vernachlässigen. (Im Gegenteil brauche ich mehrere Hördurchläufe, um mit dieser Art(-)Rock (!) klar zu kommen. Aber das macht den Reiz nun mal aus.)
"Shelter from the storm" ist die 5. CD der Truppe, erschienen in diesem Jahr (2013). Die erste CD erschien unter ihrem Namen im Jahre 1994, also kann man, so man wollte, eine Entwicklung sicher verfolgen.
Es gibt noch 2 ältere CDs zu besprechen und sicher komme ich darauf zurück.
"Number five,number five..." so beginnt aus dem "off" die CD folgerichtig. Der Opener "Not good for me" zeigt gleich, wohin die Reise geht. Keyboardakkorde, Hardrockgitarrenriff, pumpender Bass bilden das Entrée.  Das erste Break mit folgendem Einsetzen von Stimme und das Spiel von Rhythmuswechseln und
harmonischen Wendungen nimmt seinen Lauf. Nicht hektisch, dabei ohne Längen. Mal hört man kurze Oldfieldsoli, etwas CAMELartiges, auch MARILLION (Kayleigh) kommt vorbei ("The word"). Apropos, im Titel "The Word" übernimmt Nadine eine 2.Stimme. Und diese Zweistimmigkeit hat(te) bei EP Tradition.
Was ich schade fand, dass dieses typische Merkmal der 2 Sängerinnen  fehlen sollte. Vlt. gelingt es, dieses Stilmittel wieder fest zu integrieren. Denn das findet man nun doch nicht allzu oft im Art-/Progrock.
In "Emergency exists" wird ziemlich (hard)gerockt und zwar straight und ohne viel Geschnörkels..  Mit "The merchant's revenge" folgt ein Titel, der vor allem von seinen Melodien lebt, die Ohrwurmgefahr bergen.
"How should he find out" beginnt mit einem kurzen, aber effektvollen Gimmik. Man hört eine Nadel in die Spurrille einer LP laufen mit analogtypischen Knaksen und Rauschen. Dann folgt eine Ballade, die von Gitarren und  Keyboardstreichern begleitet  wird und eingeleitet von einem Flötenmotiv (Claudia) in einem flotten Rockteil endet. Sehr schön!.
Mit "The clock" wird auch Claudias Flöte mehr Raum gegeben, was der Musik  mehr Luft zufächelt und einfach gut tut.  Ein solider Progger.
 Den Abschluss bildet der Titelsong "Shelter from the storm" . Wieder partiell mit Zweistimmigkeit im Gesang. Mehr Drama, mehr Pathos als im bisher Gehörten, geschickt arrangiert durch rockige Breaks, Flöten-und Gitarrensoli. Ein Donnerschlag, Regenguss und ein kurzer Lacher beendet diese schöne Scheibe.
 Wer deutschen, handgemachten, geerdeten Prog mag mit Melodien, Harmonien und  - vor allem - gutem, weiblichem Gesang, der kann hier zugreifen. Das sage ich nicht nur aus lokalpatriotischem Antrieb heraus...

 Die Band:
 Andreas Nord                         Bass
 Thomas Römer                        Keyboards,Vocals
 Claudia Speicher                      Vocals,Flute
 Joachim Habernoll                    Drums
 Matthias Ibelshäuser                 Guitars

 Trackliste:

1. Not Good for Me (9:10)
2. The Word (8:59)
3. Emergency Exits (7:07)
4. The Merchant´s Revenge (6:17)
5. How Should He Find Out (8:40)
6. The Clock (7:14)
7. Shelter from the Storm (10:04)

http://www.estheticpale.de
http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=13530

Dienstag, 30. Juli 2013

DAYMOON: FABRIC OF SPACE DIVINE

Das ist nun die 2.CD dieser portugiesischen Band des Berliners Fred Lessing, der nun über 34 Jahre in Portugal lebt. Und sie, die CD, ist selbst nach mehrfachem Anhören nicht einfacher für mich als der Vorgänger ALL TOMORROWS. Im Gegenteil scheint sie sich in Teilen weiter von mir zu entfernen. Es ist - mal wieder - nicht leicht mit DAYMOON. Ob das wohl so beabsichtigt ist? Eines scheint klar zu sein. Es geht in diesem Konzept - denn darum handelt es sich bei einem Konzeptalbum - Witzle gmacht;-) - um das Uni- bzw. Multiversum im Allgemeinen und die Evolution eines fiktiven - nicht zwingend menschlichen -  Wesens in der Zukunft. In der Mitte des beiliegenden Booklets hat der "Vater" (=Schöpfer!) dieses Werkes seine Philosophie in Worten (leider nur in englisch) dargelegt, angeregt von Stephen Baxters Romantriologie Manifold.
Die Grundidee reicht schon mehr als 13 Jahre zurück, denn die ersten Aufnahmen wurden schon zwischen 2000 und 2007 gemacht, 2011 wiederaufgenommen und bis 2013 zum Abschluss gebracht (http://daymoon.bandcamp.com/album/fabric-of-space-divine). Also ein Werk, das reifen durfte. Und so hat es inhaltlich einiges zu bieten, was sich erst nach einigen Hördurchgängen und einer aufmerksamen Lektüre des Booklets erschließt (s.o.). Man kann sie aber einfach zur Unterhaltung hören und hat seinen Spaß dabei ohne nach tieferen Sinn zu suchen. Konsumieren - und das war's.
Damit würde man aber dem geistigen Inhalt nicht gerecht. Booklet (artwork: F.Lessing), Homepage und Musik fast als Gesamtkunstwerk. Was will der anspruchsvolle Proggy mehr?

 Zur Musik, dem hörbaren Teil: Vielschichtigkeit ist die treffendste Bezeichnung des musikalischen Inhaltes. Von Oldfield'scher Gitarre ("beyond") über Gentle Giant ("digital"), Neutönereinschüben ("grasping the fabric"), schlagerhaften Liedgut ("ice prospector"), metalguitars in"twisting the fabric", das wiederum in poppiges Fahrwasser gerät, um dann Jazzgebläse Platz zu machen -  es gibt Vieles zu entdecken in diesem Multiversum. Es startet mit dem "Big Bang", dem eine Art Einführung mit Leitmotiven der CD folgt ("singularity to sol"). Und mit "seed of complexity" ist man schon auf dem Trip durch's Multiversum des (human?-)beings bzw. des Prog oder "Trag"(?- Fred Lessing bezeichnet das Genre, das er musikalisch vertritt, als "transgressive"). Man erkennt verschiedene Einflüsse aus der "progressiven" Vergangenheit.. Und stellt eine Eigenständigkeit fest, wenn man das Erstlingswerk "All Tomorrows" kennt.
Das ist alles mit viel Leidenschaft und Hingabe kompo- und kombiniert und macht nun doch dem Rezensenten, der anfangs seine Probleme hatte, mehr und mehr Spaß.
Und meine Reise durch dieses "All" ist noch lange nicht zu Ende, denke ich...

Wer sich mit Musik ernsthaft auseinanderseztzen mag und auch Spaß mit philosophischem Gedankengut hat, dem möchte ich dieses Album ernstlich empfehlen.

Anspieltipps. ???  Weiß nicht recht, eigentlich alles in einem Rutsch, weil Teile herausbrechen funzt irgendwie nicht.

 http://daymoon.bandcamp.com/album/fabric-of-space-divine

s.a.: http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&albumId=13554

DAYMOON - recordings between 2002 and 2007 
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FRED LESSING - production, sings bits here and there, 
plays differently shaped and operated guitars, percussion, 
keyboards, woodwinds and reeds, and of course angklung 
MARK GUERTIN - production, pounded the bass 
DAVIS RABORN (USA) - drums 
JEFF MARKHAM (USA) - vocals 
PAULO CHAGAS (Portugal) - tortures assorted reed and woodwind 
instruments, and plays a fanciful alien as well as assorted 
percussion 
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DAYMOON - recordings between 2011 and 2013 
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FRED LESSING 
ANDRÉ MARQUES - production, main drums, smashes 
bottles, rips cloth, plays some keyboards 
JOANA LESSING (Portugal) - regular and weird percussion on 
Complexity, backing vocals on Ice Prospector, lights the universe 
with a match, holds Beethoven 
ADRIANO PEREIRA (Portugal) - clarinet 
PAULO CATROGA (Portugal) - piano on Beyond Trinity 
BRUNO EVANGELISTA (Portugal) - vocals 

G U E S T S 
...to whom we are eternally grateful: 

MICHAEL DORP (of German prog act Flying Circus) - vocals 
HUGO FLORES (of Portuguese prog act Factory of Dreams) - vocals 
HELENA MADEIRA (Portugal) - celtic harp 
VASCO PATRÍCIO (Portugal) - guitar solo on One 
BEETHOVEN (Portugal) - the deaf (but not mute) cat 


Titel:
1.singularity to sol03:48
2.seed of complexity09:17
3.evolution01:45
4.beyond nature05:29
5.beyond trinity05:26
6.anthropocentrics01:42
7.beyond multiplicity03:30
8.beyond good and evil03:59
9.middle04:30
10.ice prospector03:14
11.digital03:43
12.beyond03:40
13.grasping the fabric02:37
14.twisting the fabric04:12
15.beyond zero kelvin02:30
16.one

Mittwoch, 24. Juli 2013

GOLDEN VOID

Lange hat es nun gedauert bis ich mich wieder mit einer Rezi befassen konnte. Als ich mir diese relativ aktuelle CD zulegte, ließ ich mich von den Rezensionen anderer Musikfreunde hierzu verführen. "CD des Monats" war in einer einschägig bekannten Rockzeitschrift zu lesen. Und die Aussage der Besprechung ließ mich auf dieses Werk neugierig werden.Von druckvoller Orgelei und 70er Sounds war da die Rede. O.k., dachte ich, das könnte passen für meine Gehörgänge. Die CD gekauft und gleich in den Player geschoben. Los ging die wilde Jagd nach vorn - zurück. Zurück in die Spät60/früh70er Jahre als die Rockmusik mit ihrer Dynamik volle Fahrt aufnahm. In einem modernen Tonstudio den Sound dieser Jahre aufleben lassen, geht das überhaupt?
Nun, nach einigen Hördurchgängen kann ich sagen, es funktioniert hervorragend. Obwohl ich zunächst arg enttäuscht war (nervender Hall!). Meine Erwartungen wurden/werden erst nach und nach erfüllt. Wer wird nicht alles genannt in den schon vorliegenden Rezis aus der Zeit der Altvorderen. Von "Uriah Heep" über "Black Sabbath" zu "Steppenwolf" und zurück zu "Deep Purple"und "Hawkwind" ist die Rede. Ich erweitere das Spektrum um  "Titanic" - die Norweger - , "Web" (I Spider!), "Gun", "Ten Years After". Auch den jungen Steve Winwood kann man heraushören. Apropos Sänger:  tierisch genervt fühle ich mich durch den Hall in der Gesangsspur. Das war zwar in den 70ern ein beliebtes Stilmittel, wird aber hier über die ganze CD zu Tode geritten. Ich muss am Gesang quasi "vorbei" hören, um Freude mit der durchaus druckvollen (Orgel,Drums) Musik zu finden.
 Prog ist das allerdings nicht, was hier geboten wird, obwohl man das hin und wieder - mit Befremden -  lesen kann. Es ist Hardrock der guten, alten Sorte, frisch aufgebrüht ohne Kopie zu sein.
Wer einen Ausflug in die 70er in komprimierter Form machen möchte und sich keine dicke, teure Box zulegen will, ist mit dieser Cd bestens bedient. Dafür muss man den Golden Voids sicher allen Respekt zollen wie sie den Geist dieser Zeit getroffen haben.

Anspieltipps: The Curve, Badlands

 Band: Isaah Mitchell - guitar/vocals/perc.
          Aaron Morgan - bass/perc.
          Justin Pinkerton - drums/perc./Hammond/Moog
          Camilla Saufley-Mitchell - Hammond/Rhodes
          https://www.facebook.com/goldenvoid

          http://www.youtube.com/watch?v=NJ2ZNJWPTpU
          http://www.youtube.com/watch?v=m0wqsZ1XvVA

Titel:
1. Art Of Invading
2. Virtue
3. Jetsun Dolma
4. Badlands
5. Shady Grove
6. The Curve
7. Atlantis